„Was macht eigentlich…“

200 Lehrberufe gibt es hierzulande. Kein Wunder, dass die Auswahl nicht immer so leichtfällt. Wir haben ein paar davon ausgewählt und geben Einblick in den Arbeitsalltag.

Technik von Grund auf verstehen

Maschinenbautechnik

Ein Maschinenbautechniker ist Fachmann für die Montage, Wartung und Optimierung von Maschinen und Anlagen. „Es geht darum, Maschinen und Anlagen von Grund auf zu verstehen und gezielt weiterzuentwickeln“, sagt Michael Durlacher, der die Lehre zum Maschinenbautechniker bei Milteco abgeschlossen hat. Bauteile werden montiert, justiert und getestet, bis jede Maschine läuft, wie sie soll. „Dabei ist mein Job viel mehr als reines Zusammenbauen: Ich lese technische Zeichnungen, prüfe die Funktionsweise von Systemen und bringe elektronische, mechanische und hydraulische Bauteile in Einklang.“ Eine Aufgabe liegt in der Instandhaltung und Wartung. „Ich sorge dafür, Ausfälle zu vermeiden. Fehlerquellen schnell zu erkennen und kreative Lösungen zu finden, gehört dazu. Durch meinen Einsatz laufen Produktionsprozesse weiter und werden effizienter.“

Auf dem Prüfstand

Elektrotechnik

Schalt- und Starkstromanlagen, elektronische Gebäudeausrüstungen, Informations- und Kommunikationsanlagen sind das Metier im Lehrberuf Elektrotechnik. Da der Bereich breit gefächert ist, gibt es in der Regel anders als in der Elektriker Lehre eine Spezialisierung auf Anlagen und Geräte. „Ich arbeite an der Fertigung komplexer elektrischer Schaltanlagen und Komponenten für hochmoderne Prüfstände, die bei anspruchsvollen Fahrzeugtests der Kunden aus der Automobilindustrie zum Einsatz kommen“, sagt Zahra Noorahmadi. Sie hat bei KS Engineers eine Lehre zur Elektrotechnikerin mit Schwerpunkt Automatisierungs- und Prozessleittechnik absolviert. „Ich übernehme alle Fertigungsschritte von Montage der elektrischen Bauteile über Lötarbeiten und Kabelkonfektionierung bis hin zur Überprüfung und Inbetriebnahme der Anlage“, so die Jung- fachkraft. Sorgfältig und strukturiert zu arbeiten ist wichtig: „Jedes Bauteil und jede Verbindung spielen eine Rolle für die Gesamtfunktionalität der Anlage. Es ist auch spannend, an Anlagen zu arbeiten, die für die Entwicklung neuer umwelt- schonender Fahrzeuge verwendet werden.“

Drehscheibe mit Präzision

Betriebslogistik

In der Betriebslogistik lernt man, wie Waren und Materialien in einem Unternehmen effizient verwaltet und Abläufe optimiert werden. Transporte planen und koordinieren, Bestellungen überwachen und sicherstellen, dass Lieferungen pünktlich und korrekt eintreffen, gehört dazu. „Spannend finde ich die Organisation unserer Warenlager und Versandabteilungen. Hier ist Präzision gefragt, damit alles reibungslos läuft. Ein Highlight ist die Arbeit mit modernen IT- Systemen. Sie helfen, den Warenfluss zu analysieren, Daten auszuwerten und Verbesserungsmaßnahmen zu entwickeln“, sagt Jana Zinner, die bei Heldeco die Lehre zur Betriebslogistikerin macht. „Ob es um Inventuren, die Analyse von Beständen oder die Einhaltung gesetzlicher Vorschriften geht – ich habe immer das Gefühl, Teil eines großen Ganzen zu sein.“ Zusätzliche Bedeutung erhält die Lagerwirtschaft durch die zunehmende Verbreitung des Handels über Internet, was neue Herausforderungen an die Logistik stellt.

Beton für alle Fälle

Hoch- und Betonbau

Ein Betonbauer – früher Mauer- und Schalungsbauer – ist Spezialist für das Errichten stabiler Bauwerke aus Beton und Mauerwerk. Zu den Aufgaben zählen das Bauen von Schalungen, das Verlegen von Stahlbewehrungen und das Gießen von Beton für Wände, Decken und Fundamente. Der Beruf hat sich gewandelt: Statt einfacher Mauern und Formen geht es um hochpräzise Betonarbeiten und komplexe Baukonstruktionen. „Ab dem Aushub bin ich auf der Baustelle dabei und sehe, wie das Projekt wächst“, sagt Liam-Farr, Lehrling im Hoch- und Betonbau bei Lieb Bau Weiz. „Jede Baustelle bringt neue Heraus- forderungen. Diese Vielseitigkeit schätze ich.“ Im Hochbau wird Beton bei der Errichtung von Fundamenten, Decken, Stiegen und Trägerkonstruktionen verwendet, im Tiefbau bei Brücken, Tunnels, Autobahnen und Tiefgaragen, im Wasserbau bei Staudämmen, Hochwasserschutzbauten, Kanal- und Kläranlagen.

Struktur hinter den Kulissen

Industriekaufmann/-frau

Es ist eine Allroundaufgabe in der Organisation und Verwaltung eines Unternehmens, damit hinter den Kulissen alles strukturiert und effizient verläuft: Industriekaufleute planen und koordinieren Abläufe in Abteilungen wie Einkauf, Vertrieb oder Personalwesen. Sie erstellen Angebote, bearbeiten Bestellungen, überwachen Liefertermine und Zahlungen, prüfen Rechnungen, helfen bei der Kostenplanung oder der Organisation von Schulungen. „Mir gefällt, dass ich selbstständig arbeiten kann“, sagt Christina Wallner, Industriekauffrau-Lehrling bei Komptech. „In meinem Bereich ist die Preiskalkulation wichtig, aber auch die Erstellung von Dokumenten wie Auftragsbestätigung, Rechnung und Lieferschein. Ich habe viel Kundenkontakt und muss die Bestellungen bis zur Maschinenauslieferung abwickeln. Auch Stammdatenpflege gehört zu meinen Aufgaben.“

Jede Naht muss halten

Stahlbau- und Schweißtechnik

Stahlbau- und Schweißtechnik kombiniert handwerkliches Können und technologischen Fortschritt. Man lernt, wie man Stahl präzise und sicher verarbeitet, um stabile Konstruktionen herzustellen. Zum Einsatz kommen manuelle Schweißtechniken bis hin zu modernste Maschi- nen und Roboter. „Als Lehrling geht es für mich jeden Tag darum, Stahl so zu verbinden, dass daraus richtig robuste Konstruktionen entstehen“, sagt Björn Schinagl, der sich bei der Maschinenfabrik Liezen und Gießerei in Ausbildung befindet. „Am Ende eines Tages sehe ich meine Arbeit und was ich dazugelernt habe, denn ich weiß, dass jede Naht absolut halten muss. Ich lerne den Beruf von der Pike auf – vom Handschweißen bis zum Bedienen großer Schweißroboteranlagen. Die Projekte und Produkte sind spannend: Teile für Hochgeschwindigkeitszüge oder moderne Güterwagensysteme zum Beispiel.“

Autor: karin

  • „Was macht eigentlich…“

    200 Lehrberufe gibt es hierzulande. Kein Wunder, dass die Auswahl nicht immer so leichtfällt. Wir haben ein paar davon ausgewählt und geben Einblick in den Arbeitsalltag.

    Technik von Grund auf verstehen

    Maschinenbautechnik

    Ein Maschinenbautechniker ist Fachmann für die Montage, Wartung und Optimierung von Maschinen und Anlagen. „Es geht darum, Maschinen und Anlagen von Grund auf zu verstehen und gezielt weiterzuentwickeln“, sagt Michael Durlacher, der die Lehre zum Maschinenbautechniker bei Milteco abgeschlossen hat. Bauteile werden montiert, justiert und getestet, bis jede Maschine läuft, wie sie soll. „Dabei ist mein Job viel mehr als reines Zusammenbauen: Ich lese technische Zeichnungen, prüfe die Funktionsweise von Systemen und bringe elektronische, mechanische und hydraulische Bauteile in Einklang.“ Eine Aufgabe liegt in der Instandhaltung und Wartung. „Ich sorge dafür, Ausfälle zu vermeiden. Fehlerquellen schnell zu erkennen und kreative Lösungen zu finden, gehört dazu. Durch meinen Einsatz laufen Produktionsprozesse weiter und werden effizienter.“

    Auf dem Prüfstand

    Elektrotechnik

    Schalt- und Starkstromanlagen, elektronische Gebäudeausrüstungen, Informations- und Kommunikationsanlagen sind das Metier im Lehrberuf Elektrotechnik. Da der Bereich breit gefächert ist, gibt es in der Regel anders als in der Elektriker Lehre eine Spezialisierung auf Anlagen und Geräte. „Ich arbeite an der Fertigung komplexer elektrischer Schaltanlagen und Komponenten für hochmoderne Prüfstände, die bei anspruchsvollen Fahrzeugtests der Kunden aus der Automobilindustrie zum Einsatz kommen“, sagt Zahra Noorahmadi. Sie hat bei KS Engineers eine Lehre zur Elektrotechnikerin mit Schwerpunkt Automatisierungs- und Prozessleittechnik absolviert. „Ich übernehme alle Fertigungsschritte von Montage der elektrischen Bauteile über Lötarbeiten und Kabelkonfektionierung bis hin zur Überprüfung und Inbetriebnahme der Anlage“, so die Jung- fachkraft. Sorgfältig und strukturiert zu arbeiten ist wichtig: „Jedes Bauteil und jede Verbindung spielen eine Rolle für die Gesamtfunktionalität der Anlage. Es ist auch spannend, an Anlagen zu arbeiten, die für die Entwicklung neuer umwelt- schonender Fahrzeuge verwendet werden.“

    Drehscheibe mit Präzision

    Betriebslogistik

    In der Betriebslogistik lernt man, wie Waren und Materialien in einem Unternehmen effizient verwaltet und Abläufe optimiert werden. Transporte planen und koordinieren, Bestellungen überwachen und sicherstellen, dass Lieferungen pünktlich und korrekt eintreffen, gehört dazu. „Spannend finde ich die Organisation unserer Warenlager und Versandabteilungen. Hier ist Präzision gefragt, damit alles reibungslos läuft. Ein Highlight ist die Arbeit mit modernen IT- Systemen. Sie helfen, den Warenfluss zu analysieren, Daten auszuwerten und Verbesserungsmaßnahmen zu entwickeln“, sagt Jana Zinner, die bei Heldeco die Lehre zur Betriebslogistikerin macht. „Ob es um Inventuren, die Analyse von Beständen oder die Einhaltung gesetzlicher Vorschriften geht – ich habe immer das Gefühl, Teil eines großen Ganzen zu sein.“ Zusätzliche Bedeutung erhält die Lagerwirtschaft durch die zunehmende Verbreitung des Handels über Internet, was neue Herausforderungen an die Logistik stellt.

    Beton für alle Fälle

    Hoch- und Betonbau

    Ein Betonbauer – früher Mauer- und Schalungsbauer – ist Spezialist für das Errichten stabiler Bauwerke aus Beton und Mauerwerk. Zu den Aufgaben zählen das Bauen von Schalungen, das Verlegen von Stahlbewehrungen und das Gießen von Beton für Wände, Decken und Fundamente. Der Beruf hat sich gewandelt: Statt einfacher Mauern und Formen geht es um hochpräzise Betonarbeiten und komplexe Baukonstruktionen. „Ab dem Aushub bin ich auf der Baustelle dabei und sehe, wie das Projekt wächst“, sagt Liam-Farr, Lehrling im Hoch- und Betonbau bei Lieb Bau Weiz. „Jede Baustelle bringt neue Heraus- forderungen. Diese Vielseitigkeit schätze ich.“ Im Hochbau wird Beton bei der Errichtung von Fundamenten, Decken, Stiegen und Trägerkonstruktionen verwendet, im Tiefbau bei Brücken, Tunnels, Autobahnen und Tiefgaragen, im Wasserbau bei Staudämmen, Hochwasserschutzbauten, Kanal- und Kläranlagen.

    Struktur hinter den Kulissen

    Industriekaufmann/-frau

    Es ist eine Allroundaufgabe in der Organisation und Verwaltung eines Unternehmens, damit hinter den Kulissen alles strukturiert und effizient verläuft: Industriekaufleute planen und koordinieren Abläufe in Abteilungen wie Einkauf, Vertrieb oder Personalwesen. Sie erstellen Angebote, bearbeiten Bestellungen, überwachen Liefertermine und Zahlungen, prüfen Rechnungen, helfen bei der Kostenplanung oder der Organisation von Schulungen. „Mir gefällt, dass ich selbstständig arbeiten kann“, sagt Christina Wallner, Industriekauffrau-Lehrling bei Komptech. „In meinem Bereich ist die Preiskalkulation wichtig, aber auch die Erstellung von Dokumenten wie Auftragsbestätigung, Rechnung und Lieferschein. Ich habe viel Kundenkontakt und muss die Bestellungen bis zur Maschinenauslieferung abwickeln. Auch Stammdatenpflege gehört zu meinen Aufgaben.“

    Jede Naht muss halten

    Stahlbau- und Schweißtechnik

    Stahlbau- und Schweißtechnik kombiniert handwerkliches Können und technologischen Fortschritt. Man lernt, wie man Stahl präzise und sicher verarbeitet, um stabile Konstruktionen herzustellen. Zum Einsatz kommen manuelle Schweißtechniken bis hin zu modernste Maschi- nen und Roboter. „Als Lehrling geht es für mich jeden Tag darum, Stahl so zu verbinden, dass daraus richtig robuste Konstruktionen entstehen“, sagt Björn Schinagl, der sich bei der Maschinenfabrik Liezen und Gießerei in Ausbildung befindet. „Am Ende eines Tages sehe ich meine Arbeit und was ich dazugelernt habe, denn ich weiß, dass jede Naht absolut halten muss. Ich lerne den Beruf von der Pike auf – vom Handschweißen bis zum Bedienen großer Schweißroboteranlagen. Die Projekte und Produkte sind spannend: Teile für Hochgeschwindigkeitszüge oder moderne Güterwagensysteme zum Beispiel.“

  • „Ich mache das für mich, egal, was die anderen sagen“

    „Ich mache das für mich, egal, was die anderen sagen“

    Während der Pandemie lud Gini Lampl unter dem Namen Billie Steirisch Comedy in breitem steirischen Dialekt auf TikTok hoch. Sie dachte, das sähen nur einige wenige. Mittlerweile kann sie davon leben.

    GINI LAMPL hat Musical studiert und ist neben ihrem Social-Media-Content als Sängerin und Schauspielerin tätig. Große Bekanntheit erlangte sie durch englische Songs, die sie ins Steirische umtextete; legendär sind ihre „Tierdokus auf Steirisch“. Auf Instagram folgen ihr 50.000 Menschen. Gini Lampl schreibt auch eigene Songs. „Ferdl“ war ihr erster Hit, ihren „Steirische Brauch“ hat sie als Rap angelegt. Die Steirerin lebt heute in Wien.

    Hättest du dir jemals gedacht, dass du mit Lustigsein auf Social Media einmal Geld verdienen wirst?

    Billie Steirisch: Ich bin ja ausgebildete Sängerin und Schauspielerin, mein Wunsch und mein Ziel waren natürlich schon, damit einmal Geld zu verdienen. Aber dass es über Online oder Social Media passiert, hätte ich nicht erwartet.

    Wie kam es zu Billie Steirisch?

    Während der Pandemie konnten wir Künstler nicht auf die Bühnen, alles war abgesagt. Meinen kreativen Output wollte ich trotzdem raushauen und habe das über TikTok gemacht, weil ich dachte, da ist eh keiner, das sieht niemand. Das waren anfangs Comedy-Sketches und englische Songs, die ich auf Dialekt umgetextet habe. Ich dachte anfangs wirklich, ich mache das nur für mich. Dann sind die ersten Videos viral gegangen und ich merkte, dass da doch viele Leute unterwegs sind. Auf einmal hatte ich 100.000 Views, dann 300.000. So bin ich auf den Gedanken gekommen, dass man da vielleicht mehr machen könnte.

    Hattest du nie Scheu davor, etwas zu sagen oder zu tun, wofür du einen Shitstorm ernten könntest? Oder sagst du: Was authentisch ist, soll raus?

    Im Großen und Ganzen will ich immer authentisch sein, wie ich eben bin. Es stört mich auch nicht, anzuecken oder zu provozieren, das ist Teil meiner Persönlichkeit. Dass ich aufpassen muss, was ich poste, weil das ja doch mehr als hundert Leute sehen, ist mir erst im Laufe der Zeit bewusst geworden. Als die ersten Firmen angefragt haben, ob ich für sie ein Werbegesicht sein will, dachte ich schon: Oh Gott, das ist jetzt nicht nur mehr Spaß.

    Wie ist es dir mit der Vorstellung gegangen, dass unter deinen Viewern auch Menschen sein könnten, die es nicht immer gut mit dir und der Welt meinen?

    Diese Vorstellung war in der Tat etwas gruselig, wenn ich bis heute auch wenig Hasskommentare bekommen habe. Aber natürlich, die ersten negativen Meldungen haben mich getroffen, es gibt dir schon einen kleinen Stich ins Herz. Aber wenn man so viel Output hat – ich habe damals ja fast täglich etwas gepostet – muss man sich daran gewöhnen, es muss einem wurscht werden.

    Wovon kannst du besser leben: von Billie Steirisch oder von Gini Lampl?

    Meine Cash Cow ist eindeutig Billie, aus der stammt der größte Teil des Einkommens. Social Media ist definitiv lukrativer als etwa eine Anstellung in einem Theater. Natürlich ist es auch instabil. Da hast du einmal einen Hype und bist ein halbes Jahr voll angesagt, dann überlegt es sich der Algorithmus anders und deine Reichweite bricht ein. Deshalb investiere ich auch in meine Musik, die ist dann doch langlebiger und beständiger. Ich investiere in Produkte und darin, mich als Person zu branden, um nicht zu sehr von Social Media abhängig zu sein. Man hat auch Lebensphasen oder ist mit Kooperationen beschäftigt, wo man nicht immer Zeit zum Contentproduzieren hat.

    Influencer oder YouTuber werden zu wollen, ist ja der Traum vieler Jugendlicher. Wie lange hat es bei dir gedauert, bis du festgestellt hast: Jetzt hat mich eine größere Gruppe entdeckt?

    Auf Social Media geht das recht schnell, wenn einmal der Inhalt funktioniert. Es kann auch sein, dass man jahrelang unter der Oberfläche dahindüm- pelt. Ich habe einen Musikerkollegen, der postete zwei Jahre ohne rechten Erfolg, dann auf einmal ging es richtig los. Man muss extreme Ausdauer haben, es ist ein bisserl wie Lottospielen. Natürlich ist es erfolgversprechender, wenn man dabei einen Plan hat, wenn man weiß, was man will, und man professionell in dem ist, was man tut. Aber ob dich der Algorithmus auswählt oder nicht, ist schon Glückssache. Und dann gibt es Inhalte, die länger brauchen, bis sie in die richtige Bubble kommen. Comedy beispielsweise erreicht Leute schneller als Videos, die zeigen, wie man irgendwelche Kerzen herstellt.

    Welche Gefühle haben dich am Beginn dieser Reise begleitet?

    Nach dem ersten Hype stellte ich fest, dass plötzlich nicht mehr alles viral ging wie zu Beginn. Dazu kommt, dass man auch süchtig nach dieser Anerkennung wird, nach den Likes, den Klicks. Da fragt man sich schon, warum man es tut. Ich für mich kam zum Schluss: Mir taugt das, und ich mache es für mich, egal, wie die anderen das sehen. Alles Weitere hat sich von selbst ergeben. Ab dem Moment dachte ich auch nicht mehr daran, ob es funktionieren könnte.

    Was ist für dich Erfolg im Leben?

    Erfolg ist für mich, wenn man zufrieden und glücklich ist. Das hat jetzt gar nichts mit Reichsein zu tun. Wenn ich als Friseurin arbeite oder als Lehrerin, ich in meinem Job glücklich bin und er mich erfüllt, bin ich nach meinem Geschmack ein erfolgreicher Mensch. Der vielleicht sogar glücklicher ist als ein Topstar, den jeder kennt. Weil man muss schon sagen: Viele tun das, was sie tun, für Anerkennung und Ruhm, nicht so sehr für sich selbst und weil sie das von Herzen tun wollen.

    Lehrlinge sind in der Regel erst 15, wenn sie sich für einen Beruf entscheiden müssen. Wenn du zurückdenkst, welchen Rat in Bezug auf deine Zukunft hättest du in diesem Alter gern gehört?

    Dass es bei der Entscheidung um die Frage gehen sollte, was man wirklich gern macht und nicht, was das meiste Geld bringt. Und dass die Erwachsenen einen bestärken sollten in dem, was man tun will. Es gibt ja auch unkonventionelle und coole Lehrberufe, statt zu sagen: „Da gibt es aber nicht so viele Stellen“ oder „Bei uns in der Nähe bekommst du da aber keinen Job“ könnten Eltern das Kind einfach ermutigen, den Beruf zu ergreifen, egal wie der Arbeitsmarkt aussieht. Zu mir haben auch viele Leute gesagt, ich würde mit dem, was ich tun will, nie Geld verdienen. Doch mein Traum ist wahr geworden, weil ich halt weitergemacht habe und meinen Weg weitergegangen bin, und das ganz ohne Kontakte oder Beziehungen. Wenn jemand etwas wirklich will und einen starken Willen hat, wird er oder sie es auch schaffen.

    Was konkret würdest du Eltern raten?

    Ich würde ihnen raten, ihr Kind zu unterstützen, sofern der Beruf nicht in die Kriminalität führt (lacht). Manche Eltern sollten ihr Ego zurückstellen, vor allem wenn sie wollen, dass ihre Kinder das tun, was sie selbst gern gemacht hätten, und das sie nun über die Kinder ausleben können. Das geht selten gut. Außer das Kind will es.

    Wie war das bei dir?

    Mein Papa wollte immer Musiker werden. Und ich wollte von klein auf Schauspielerin und Sängerin werden. Das hat sich halt super getroffen, meine Eltern waren total offen, was meinen Berufswunsch anbelangt. Sie haben mich unterstützt, ohne Druck zu machen. Natürlich kann man auch Grenzen setzen und die finanzielle Unterstützung an einen gewissen Erfolg knüpfen, damit das Kind auch wirklich schaut, dass es etwas weiterbringt.

    Hast du dir schon einmal überlegt, wie es gewesen wäre, hätten dich deine Eltern nicht unterstützt?

    Ich denke, es wäre viel härter gewesen. Und die Bindung zu meinen Eltern wäre nicht so stark, wie sie ist. Ich weiß nicht, ob ich das alles durchgezogen hätte. Ein Vollzeitstudium und daneben noch 30 Stunden arbeiten zu müssen, weil es an finanzieller Unterstützung fehlt und man für die Miete aufkommen muss, ist schon hart. Ich weiß nicht, ob ich ohne die Unterstützung meiner Eltern so mutig gewesen wäre, weiterzugehen oder durchzuhalten.

    „Viele tun das, was sie tun, für Anerkennung und Ruhm, nicht so sehr für sich selbst und weil sie das von Herzen tun wollen.“

    Es gibt ja den Spruch: „Tu, was dir Spaß macht.“ Wir wissen aber, dass Eltern oder die Peergroup mit ihrer Meinung wichtig sind und das „einfach tun“ alles andere als einfach ist. Wie würdest du den Spruch für junge Menschen auf dem Sprung in den ersten Job umtexten?

    Vielleicht: Wähle etwas aus, bei dem du dir nicht vorstellen kannst, ohne es leben zu wollen. Bei mir war das eben die Musik, die ich extrem liebe. Es gibt ja auch genügend Menschen, die sich handwerklich betätigen wollen. Jeder hat etwas, das er sehr gern tut.

    Hast du einen Karriereplan oder überlässt du das, was kommt, dem Schicksal?

    Ich habe schon ein Ziel beziehungsweise einen Plan, darin sind auch die einzelnen Schritte definiert. Ohne die kommt man nicht wirklich zum Ziel. Mein Ziel wäre schon, eine große Tour in vollen Häusern zu spielen. Ich würde mir wünschen, dass man meine Musik gern hören und die Live-Shows sehen will, und dass dies einmal einen großen Teil meines Einkommens ausmacht. Schön wäre auch die Vorstellung, dass ich Menschen mit meiner Musik durch ihr Leben begleiten und ihnen kleine Erinnerungen mitgeben kann. Dass sie etwa an Billie Steirisch denken, weil sie einen Song auf der Matura-Reise gehört haben, dabei zum ersten Mal geschmust oder Liebeskummer hatten.
    Und sonst arbeiten wir gerade mit Hochdruck an meiner LP, wir arbeiten mit diversen Unternehmen zusammen. Wir lassen aber vieles auch auf uns zukommen.

    Hattest du je einen Plan B in deinem Leben?

    Ich bin ja in dem, was ich mache, so vielseitig interessiert – das sind Comedy, Musik, im letzten Aussee-Krimi spielte ich eine große Rolle. Schon als Kind hatte ich eine Berufsranking-Liste. Da haben sich auf Platz eins und zwei Schauspiel und Gesang abgewechselt, Moderatorin war Top drei. Die ersten beiden Sachen habe ich studiert, bei Krone Hit habe ich zwei Jahre den Verkehr angesagt. Platz vier war Stewardess, das wäre auch eine Option gewesen, und auf Platz fünf lag die Stripperin.

    Warum das?

    Ich bin mit Cardi B. und anderen Rapperinnen groß geworden, und viele davon arbeiteten vorher als Stripperin.