Philipp hat sich nach der Schule für eine Lehre entschieden – und Mama Monika Haider-Raunigg unterstützt ihn dabei.
DIE SCHULE UND PHILIPP RAUNIGG waren noch nie gute Freunde. „Schon nach der 2. Klasse Volksschule hat er verkündet, dass es das jetzt für ihn war – er meinte, er braucht da nicht mehr hingehen“, erzählt seine Mama Monika Haider- Raunigg. Immerhin könne er jetzt lesen, schreiben und rechnen und das würde wohl reichen, befand der junge Mann. Damals konnten ihn die Eltern dann doch noch zum Weitermachen überreden – aber nach der 4. Klasse im Bundesrealgymnasium Petersgasse war der Ofen dann endgültig aus. „Das war alles nur mehr ein Krampf – Dinge auswendig zu lernen, die mich nicht interessiert haben und wo ich das Gefühl hatte, dass ich sie nie mehr brauchen werde, das hat für mich einfach keinen Sinn mehr ergeben“, erzählt der 17-Jährige. Der Endgegner: Mathematik. Doch ausgerechnet die Mathematik-Lehrerin hatte die zündende Idee, in eine praxisorientiertere Schule zu wechseln.
„Nicht auf die Freunde, sondern immer auf das eigene Gefühl hören.“
Philipp Raunigg
Von der Fachschule zum Lehrberuf
Darum hat Philipp in den letzten drei Jahren die landwirtschaftliche Fachschule Grottenhof besucht und mittlerweile die Ausbildung zum landwirtschaftlichen Facharbeiter in der Tasche. „Dort hat es mir sehr gut gefallen, das hat genau zu mir gepasst“, meint er. „Der Unterricht dort war sehr praxisorientiert, das liegt ihm einfach mehr“, findet die Mama. Während der Schule hatte er zuerst als Medienfachmann, dann in einer Tischlerei und zuletzt in einer Werkstatt geschnuppert. „Beim ersten Schnuppern habe ich Kopfweh bekommen, weil ich so lange vor dem Computer gesessen bin.“ In dem Großbetrieb der Tischlerei, wo vieles maschinell gefertigt wurde, hat er sich auch nicht wirklich wohl gefühlt. „Aber in der Werkstatt war ich gleich wie zu Hause – ich schraube ja in meiner Freizeit auch am liebsten an meinem Moped herum, den Betrieb hat mir ein Freund empfohlen, weil dort ein sehr gutes Arbeitsklima herrscht“, erzählt der junge Mann. Wenn alles gut geht, startet er dort in Kürze die Lehre zum Zweiradtechniker, bis dahin überbrückt er die Zeit mit einem Job im Handel. Was im Nachhinein so einfach klingt, war ein ziemlich langer und steiniger Weg – vor allem für Mama Monika. Sie selbst hat ein abgeschlossenes Studium und unterrichtet an der Medien-HAK in Graz. „Natürlich habe ich mir für ihn auch gewünscht, dass er die Matura macht – einfach, damit er eine solide Grundausbildung bekommt und ihm dann alle Möglichkeiten offenstehen. Und die Studienzeit habe ich sehr genossen, das hätte ich ihm auch gegönnt“, bekennt sie. Aber es hat viel Kraft und Energie gekostet, ihn immer wieder zum Lernen zu motivieren. „Ich habe irgendwann begriffen, dass das nicht sein Weg ist. Letztendlich muss man froh für sein Kind sein, wenn es etwas findet, wofür es brennt.“
„Loslassen, vor allem die eigene Vorstellung vom idealen Ausbildungsweg – aber trotzdem mit Rat und Tat zur Seite stehen.“
Monika Haider-Raunigg
Loslassen, aber weiter da sein
Aber selbst wenn klar ist, dass eine Lehre begonnen werden soll, brauchen die Jugendlichen weiter Unterstützung, weiß Haider-Raunigg: „Die Recherche nach der optimalen Lehrstelle, das Verfassen von Bewerbungen, da ist man als Elternteil nochmals sehr gefragt.“ Auch einen Test zur Berufsorientierung an der Wirtschaftskammer hat Philipp absolviert, um auszuloten, welche Lehrberufe es gibt und um sicherzustellen, dass er auf dem richtigen Weg ist. Ihr Tipp für andere Mütter: Loslassen, vor allem die eigene Vorstellung vom idealen Ausbildungsweg – aber trotzdem mit Rat und Tat zur Seite stehen. Genau wie sie unterstützt ihr Mann seinen Sohn auf seinem Weg.
Auch Philipps Freunde finden seine Entscheidung gut. „Die Hälfte davon macht ja auch eine Lehre, der Rest sind meine ehemaligen Klassenkollegen, die heuer maturieren werden.“ Dass die Lehre nicht immer ein Zuckerschlecken sein wird, ist ihm klar: „Aber ich denke doch, dass die interessanten Aspekte überwiegen werden und ich dann einen Beruf habe, der wirklich zu mir passt. Ich freue mich jedenfalls schon darauf, viel Neues zu lernen und mit den Händen arbeiten zu dürfen.“ Sein Rat an andere Jugendliche, die sich gerade am Scheideweg zwischen Schule und Ausbildung befinden: „Nicht auf die Freunde, sondern immer auf das eigene Gefühl hören – auch wenn alle anderen die Matura machen, muss das nicht dein Weg sein.“
Philipp hat sich nach der Schule für eine Lehre entschieden – und Mama Monika Haider-Raunigg unterstützt ihn dabei.
DIE SCHULE UND PHILIPP RAUNIGG waren noch nie gute Freunde. „Schon nach der 2. Klasse Volksschule hat er verkündet, dass es das jetzt für ihn war – er meinte, er braucht da nicht mehr hingehen“, erzählt seine Mama Monika Haider- Raunigg. Immerhin könne er jetzt lesen, schreiben und rechnen und das würde wohl reichen, befand der junge Mann. Damals konnten ihn die Eltern dann doch noch zum Weitermachen überreden – aber nach der 4. Klasse im Bundesrealgymnasium Petersgasse war der Ofen dann endgültig aus. „Das war alles nur mehr ein Krampf – Dinge auswendig zu lernen, die mich nicht interessiert haben und wo ich das Gefühl hatte, dass ich sie nie mehr brauchen werde, das hat für mich einfach keinen Sinn mehr ergeben“, erzählt der 17-Jährige. Der Endgegner: Mathematik. Doch ausgerechnet die Mathematik-Lehrerin hatte die zündende Idee, in eine praxisorientiertere Schule zu wechseln.
„Nicht auf die Freunde, sondern immer auf das eigene Gefühl hören.“
Philipp Raunigg
Von der Fachschule zum Lehrberuf
Darum hat Philipp in den letzten drei Jahren die landwirtschaftliche Fachschule Grottenhof besucht und mittlerweile die Ausbildung zum landwirtschaftlichen Facharbeiter in der Tasche. „Dort hat es mir sehr gut gefallen, das hat genau zu mir gepasst“, meint er. „Der Unterricht dort war sehr praxisorientiert, das liegt ihm einfach mehr“, findet die Mama. Während der Schule hatte er zuerst als Medienfachmann, dann in einer Tischlerei und zuletzt in einer Werkstatt geschnuppert. „Beim ersten Schnuppern habe ich Kopfweh bekommen, weil ich so lange vor dem Computer gesessen bin.“ In dem Großbetrieb der Tischlerei, wo vieles maschinell gefertigt wurde, hat er sich auch nicht wirklich wohl gefühlt. „Aber in der Werkstatt war ich gleich wie zu Hause – ich schraube ja in meiner Freizeit auch am liebsten an meinem Moped herum, den Betrieb hat mir ein Freund empfohlen, weil dort ein sehr gutes Arbeitsklima herrscht“, erzählt der junge Mann. Wenn alles gut geht, startet er dort in Kürze die Lehre zum Zweiradtechniker, bis dahin überbrückt er die Zeit mit einem Job im Handel. Was im Nachhinein so einfach klingt, war ein ziemlich langer und steiniger Weg – vor allem für Mama Monika. Sie selbst hat ein abgeschlossenes Studium und unterrichtet an der Medien-HAK in Graz. „Natürlich habe ich mir für ihn auch gewünscht, dass er die Matura macht – einfach, damit er eine solide Grundausbildung bekommt und ihm dann alle Möglichkeiten offenstehen. Und die Studienzeit habe ich sehr genossen, das hätte ich ihm auch gegönnt“, bekennt sie. Aber es hat viel Kraft und Energie gekostet, ihn immer wieder zum Lernen zu motivieren. „Ich habe irgendwann begriffen, dass das nicht sein Weg ist. Letztendlich muss man froh für sein Kind sein, wenn es etwas findet, wofür es brennt.“
„Loslassen, vor allem die eigene Vorstellung vom idealen Ausbildungsweg – aber trotzdem mit Rat und Tat zur Seite stehen.“
Monika Haider-Raunigg
Loslassen, aber weiter da sein
Aber selbst wenn klar ist, dass eine Lehre begonnen werden soll, brauchen die Jugendlichen weiter Unterstützung, weiß Haider-Raunigg: „Die Recherche nach der optimalen Lehrstelle, das Verfassen von Bewerbungen, da ist man als Elternteil nochmals sehr gefragt.“ Auch einen Test zur Berufsorientierung an der Wirtschaftskammer hat Philipp absolviert, um auszuloten, welche Lehrberufe es gibt und um sicherzustellen, dass er auf dem richtigen Weg ist. Ihr Tipp für andere Mütter: Loslassen, vor allem die eigene Vorstellung vom idealen Ausbildungsweg – aber trotzdem mit Rat und Tat zur Seite stehen. Genau wie sie unterstützt ihr Mann seinen Sohn auf seinem Weg.
Auch Philipps Freunde finden seine Entscheidung gut. „Die Hälfte davon macht ja auch eine Lehre, der Rest sind meine ehemaligen Klassenkollegen, die heuer maturieren werden.“ Dass die Lehre nicht immer ein Zuckerschlecken sein wird, ist ihm klar: „Aber ich denke doch, dass die interessanten Aspekte überwiegen werden und ich dann einen Beruf habe, der wirklich zu mir passt. Ich freue mich jedenfalls schon darauf, viel Neues zu lernen und mit den Händen arbeiten zu dürfen.“ Sein Rat an andere Jugendliche, die sich gerade am Scheideweg zwischen Schule und Ausbildung befinden: „Nicht auf die Freunde, sondern immer auf das eigene Gefühl hören – auch wenn alle anderen die Matura machen, muss das nicht dein Weg sein.“
Dass die Lehre ein gutes Fundament ist, zeigen diese Menschen-Porträts. Vom „Tatort“-Ermittler bis zum Erzbischof stehen nach einer Lehre alle Wege offen, früher wie heute.
Bevor die deutsche Sängerin KERSTIN OTT mit ihrem Lied „Die immer lacht“ Karriere machte, arbeitete sie als Malerin und Lackiererin, und zwar bis zu ihrem musikalischen Durchbruch im Jahr 2016. Über ihren Lehrberuf hat sie in einem Fernsehinterview einmal gesagt: „Ich habe gelernt, meine Arbeit vernünftig zu machen. Das hilft mir auch in meinem heutigen Job.“ Handwerkliche Tätigkeiten erledigt sie bei sich zu Hause bis heute am liebsten selbst, und sollte es mit ihrer musikalischen Karriere nicht mehr so gut laufen, kann sie sich sehr wohl vorstellen, in ihren alten Job zurückzukehren.
Für DIETER FERSCHINGER, Promifriseur aus Graz, bietet die Lehre so vieles, etwa tolle Aufstiegsmöglichkeiten, die nach den Jahren automatisch kommen. „Dadurch steigert sich auch das Gehalt, oft schneller als nach einem Studium!“ Was er Lehrlingen, die für sich den richtigen Job gefunden haben, mit auf den Weg geben möchte: „Fragt eure Ausbildner viel über den Beruf und generell über die Arbeitswelt. Eignet euch Disziplin an und bringt zu Ende, was ihr einmal begonnen habt. Habt keine Furcht vor euren Chefs, seht sie nicht als Gegner, sondern als jemanden, der Karriere gemacht hat. Merkt euch ihre Entscheidungen oder warum sie etwas tun, das könnte auch für euer späteres Berufsleben ein wichtiger Leitfaden sein, um die richtigen Entscheidungen zu treffen.
Er ist aus dem deutschen Fernsehen nicht wegzudenken, und er hat stets Haare und Bart schön: KLAAS HEUFER-UMLAUFS erste berufliche Station war eine Friseurlehre. Im Anschluss daran arbeitete er als Maskenbildner, 2005 kam der Sprung ins Fernsehen, genau genommen zum Musiksender Viva. Ein Lehrer soll ihm zu Schulzeiten bereits gesagt haben, dass er bestimmt bei Sat1 lande, wenn er so weitermache. Er sollte Recht behalten.
Während seine Sportkollegen meist vom Skigymnasium in die ÖSV-Kader wechselten, arbeitete sich HERMANN MAIER sportlich mit eigener Kraft und eigenem Willen nach oben. Seine Ausbildung in der Ski-Handelsschule Schladming brach er nach einem schweren Arbeitsunfall seines Vaters ab und begann eine Maurerlehre. Vor einigen Jahren unterstützte er die Plattform „Ausbildung statt Abschiebung“ des damals grünen, oberösterreichischen Landesrates Rudolf Anschober. Er begründete das damit, dass er aus seiner eigenen Zeit als Maurer wisse, wie wichtig es vor allem für junge Menschen sei, eine geeignete Ausbildung und Aufgabe zu finden. Allein das bilde die Voraussetzung für eine erfolgreiche Integration.
In seiner Tatort-Rolle als Professor Karl-Friedrich Boerne spielt er den spießigen Bildungs- bürger schlechthin. Bevor er auf die Bühnen und ins Fernsehen kam, hat JAN JOSEF LIEFERS, einer der bekanntesten deutschen Schauspieler seinen Berufsweg mit einer Lehre begonnen. Zwar wurde er in eine Theaterfamilie hineingeboren (sein Halbbruder Martin Brambach ist der Tatort-Kommissar Peter Michael Schnabel aus Dresden) und obwohl er selbst in diese Branche wollte, absolvierte er nach seinem Schulabschluss zunächst eine Tischlerlehre am Dresdner Staatstheater.
Jan-Josef Liefers, german actor, presenting his autobiography at the Frankfurt Bookfair / Buchmesse Frankfurt 2009 in Frankfurt am Main, Germany
EVELINE WILD ist Österreichs bekannteste Patissière. Sie hat in Tirol den Beruf Konditorin gelernt und hatte Glück mit ihrem Lehrbetrieb: Dort wurden keine Fertigprodukte verwendet, sondern alles nach alten Rezepten mit guten und natürlichen Zutaten hergestellt. Qualität bei den Zutaten und Lebensmitteln ist ihr heute noch überaus wichtig. Über ihren Lehrberuf, den sie „auf jeden Fall“ nochmal ergreifen würde, sagt sie: „Routine zu lernen ist enorm wichtig. Je öfter man etwas macht, umso weniger muss man darüber nachdenken, desto mehr kann der Kopf auf Reisen gehen, sprich kreativ werden.“ Jungen Menschen auf Jobsuche rät sie: „Augen auf bei der Wahl des Lehrplatzes und raus aus der Komfortzone!“ Was sie damit meint? Vielleicht ist ja der Lehrplatz, der gut passen würde, weiter entfernt von zu Hause. Und vielleicht ist es nicht ganz einfach, in jungen Jahren von daheim auszuziehen. Aber eine tolle Lehrstelle, wo die Chemie zwischen Lehrling und Ausbildnern stimmt und dadurch der Lernerfolg größer wird, ist ein Grundstock, auf dem man aufbauen kann, sagt sie.
Auch in der Welt der Geistlichen gibt es gelernte Handwerker, der Erzbischof von Salzburg, FRANZ LACKNER, ist einer davon. Der gebürtige Oststeirer absolvierte zunächst eine Lehre als Elektriker. Beim Bau der UNO-City in Wien arbeitete er als Staplerfahrer und Betonierer. Als er mit der UNO in Zypern stationiert war, begann er, sich intensiv mit dem Glauben und der Bibel auseinanderzusetzen. Er entschied, Priester zu werden und trat 1984 in den Franziskanerorden ein.
Schule war nicht seins, die Lehre als KFZ-Mechaniker dafür umso mehr: Warum Elke Harg heute froh darüber ist, dass ihr Sohn Daniel kurz vor der Matura das Handtuch geworfen hat.
Wenn Elke Harg heute auf ihren 26-jährigen Sohn Daniel blickt, dann tut sie das mit einer ordentlichen Portion Stolz: „Ich weiß, er wird seinen Weg gehen und sein Leben gut meistern – das hat er bewiesen.“ Das war allerdings nicht immer so: Nach gut 12 Jahren Schulkarriere, in der Maturaklasse der HAK, lagen die Nerven blank. „Wir haben gemeinsam gelernt, doch das war sehr anstrengend. Bis ich eines Tages zu ihm gesagt habe: Weißt du, für mich musst du die Schule nicht fertig machen.“ Das hat dann wohl einen Schalter umgelegt, denn Daniel hatte ohnehin schon lange das Gefühl, am falschen Ort zu sein. „Schule hat mich immer weniger interessiert, Autos dafür umso mehr“, schmunzelt er.
Plötzlich war da eine Energie, die Elke von ihrem Sohn so nicht kannte: „Es hat keine vier Monate gedauert, und er hatte eine Lehrstelle gefunden.“ Und auf einmal war alles leicht: „Ich hatte und habe jeden Tag Spaß an meiner Arbeit – und ich nehme jeden Tag was mit, auch, wenn einmal nicht alles glatt läuft. Ich habe vorher nie handwerklich gearbeitet, und mit 20 eine Lehre anzufangen, war auch nicht ganz leicht.“ Doch die Freude an der Arbeit zeigte sich letztendlich auch in Daniels Leistung: Mittlerweile hat er die Meisterprüfung absolviert, mündlich sogar mit Auszeichnung; und das, obwohl die Vorbereitungszeit mit seinem Zivildienst im Kindergarten Thal zusammenfiel. „Es war wirklich verblüffend zu sehen, wie leicht alles wird, wenn man etwas mit Begeisterung macht“, meint Mama Elke.
Freude am Job Darum war es für sie auch nicht schwer, ihre Vorstellung von Daniels Berufsweg zu überdenken. „Natürlich hatte ich etwas im Kopf, wollte, dass er eine möglichst gute Ausbildung bekommt. Aber für mich war trotzdem immer klar, dass das nicht unbedingt in der Schule passieren muss.“ Wichtig sei vor allem, sich anzusehen, wie es dem Kind mit dem jeweiligen Weg geht. „Denn eines muss einem klar sein: Man kann sein Kind nicht durch eine Ausbildung durchtragen.“
Auch Daniel hat einen Rat für junge Menschen, die in einer ähnlichen Lage sind, wie er es vor sechs Jahren war: „Sucht euch etwas, was ihr gern macht, was euch wirklich interessiert – dann geht es auch leicht.“ Er habe etwas gefunden, was auch an schlechten Tagen Freude macht: „Ich sorge dafür, dass die Menschen mit ihrem Fahrzeug sicher dorthin kommen, wo sie hinwollen – damit weiß ich, dass ich jeden Tag etwas Sinnvolles mache.“ „Es ist verblüffend, wie leicht alles wird, wenn man mit Begeisterung dabei ist.“
Drei erwachsene Söhne hat Andrea Ohersthaller; zwei davon haben sich nach der Matura nicht für ein Studium entschieden – und sind damit glücklich.
ANDREA OHERSTHALLER,Vizebürgermeisterin in Hart bei Graz, hat alle Möglichkeiten der Jobfindung mit ihren drei Söhnen erlebt. „Aber was immer das Wichtigste für mich war: Alle drei haben etwas gefunden, was sie erfüllt.“ Am schwersten hat sich dabei Felix, der Älteste, getan. „Er hat einfach Zeit gebraucht, um sich zu orientieren“, so Ohersthaller. Doch mittlerweile hat auch der 26-Jährige seinen Traumjob gefunden – und zwar über eine Lehre. Dabei sollte es eigentlich ein Medizinstudium sein, doch der schwierige Aufnahmetest macht ihm – wie so vielen anderen – einen Strich durch die Rechnung. Nach abgebrochenem Jus- und Germanistikstudium setzte man sich gemeinsam an einen Tisch und überlegte, wo die Stärken von Felix lägen – und kam bald auf die Landschaftsgärtnerei. Vor einem Jahr hat er diese (verkürzte) Lehre erfolgreich abgeschlossen, arbeitet jetzt in einem Betrieb in Gössendorf, der seine Stärken erkannte und ihn dementsprechend einsetzt.
Auch der Jüngste, Lorenz (22), hat nach der Matura zuerst eine Lehre begonnen; Tischler wollte er werden. Doch der Betrieb und der junge Mann passten einfach nicht zusammen. Nun ist Lorenz in einer Hausverwaltung tätig und absolviert gerade die Ausbildung zum Hausverwalter und Immobilienmakler; eine durchaus vielverspre- chende Karriere winkt in diesem Bereich.
Einzig der Mittlere der drei, Viktor (24), ist nach der Matura den „klassischen“ Weg gegangen. Er studiert an der Universität für Bodenkultur in Wien Landschaftsarchitektur. „Die drei ergänzen sich in ihren Berufen sehr gut und tauschen sich auch häufig aus“, erzählt die stolze Mutter. Wichtig war ihr, dass sie früh genug ihre Stärken kennen. „Das ist am GIBS, wo alle drei maturiert haben, immer im Vordergrund gestanden. Mein Mann und ich hatten eigentlich keine Vorstellung, was die Kinder einmal werden würden – uns war nur wichtig, dass sie ihre Arbeit mögen.“ Ein Rat, den sie auch anderen Müttern geben würde: „Wir hätten die Kinder niemals durch das Gymnasium geschleift, ich habe auch nie mit ihnen gelernt. Es ist wichtig, dass die Erfolge, aber auch die Misserfolge ihre eigenen sind; und ganz schlecht ist für das Selbstbewusstsein der Jugendlichen, wenn die Eltern sie durchboxen – so gelingt kein guter Start ins Berufsleben.“ Am Ende zählt die Persönlichkeit eines Menschen, auch wenn es darum geht, sich beruflich zu etablieren. Sich auszuprobieren, zum Beispiel in Ferialjobs und beim Schnuppern, sei ebenfalls ein essenzieller Baustein auf der Suche nach der richtigen Ausbil- dung. Und: „Wir müssen von dem Prestigedenken weg, dass jeder Jugendliche studieren muss – die Wirtschaft zeigt uns, wie gefragt Fachkräfte sind. Und wer für sich die richtige Wahl getroffen hat, dem winkt mit einer Lehre oft ein glücklicheres und erfüllteres Leben. Mit eigenen Händen produktiv sein zu können und etwas zu schaffen, was man sofort betrachten kann, ist ein in Vergessen- heit geratenes, unschätzbares Gut!“
Es ist wichtig, dass die Erfolge, aber auch die Misserfolge ihre eigenen sind.
WK-Steiermark-Vizepräsidentin Gabi Lechner träumte von Matura und Studium ihrer Kinder Antonia und Benedikt – und ist heute umso glücklicher, dass sich beide für eine Lehre entschieden haben.
Dass eine Lehre alles andere als eine Einbahnstraße ist, beweisen die beiden Kinder von Marketingprofi Gabi Lechner. Denn während Benedikt, gelernter Mediendesigner, mittlerweile Informationsdesign an der FH studiert, bereitet sich Tochter Antonia nach ihrer bravourös ge- meisterten Lehre zur Elektroanlagentechnikerin gerade auf die Ausbildung zur Tätowiererin vor. Und die WKO-Vizepräsidentin, die selbst ganz klassisch Geschichte und Germanistik studiert hat, könnte stolzer nicht sein.
Aber das war nicht immer so. „Ich hab‘ mich ganz oft gefragt, was ich falsch gemacht habe“, bekennt sie. Denn auch sie hat von Matura und anschließendem Studium für ihre Sprösslinge geträumt. „Dass meine Tochter, die immer meine Prinzessin war, keinen Maturaball hatte, das tut heute noch weh“, bekennt sie. Ein kleiner Wermutstropfen, der aber kaum mehr ins Gewicht fällt, denn „ich sehe, wie gut es den beiden mit ihrem Lebensweg geht.“
Falsche Schule, richtige Lehre
Besonders bei Antonia sei das Happy-End nicht immer vorgezeichnet gewesen, bekennt Lechner.
„Sie ist ein sehr sensibler Mensch, hatte oft falsche Freunde und ist in der Schule immer wieder von Lehrern missverstanden worden.“ Nachdem sie die dritte Klasse des Gymnasiums wiederholen musste, wollte sie erst Kindergärtnerin werden und schaffte auch die Aufnahmeprüfung ins BAKIP (heute: BAfEP). Doch beim ersten Eltern- sprechtag kam der große Schock: „Außer dem Gitarre-Lehrer hat sie dort niemand gekannt, weil sie einfach nicht hingegangen ist.“ Zuhause dann das Geständnis, dass das die falsche Schulwahl war und sie nicht mehr in die Schule gehen wolle. „Also haben wir sie abgemeldet und ihr 14 Tage Zeit gegeben, sich Lehrberufe herauszusu- chen, die sie interessieren“, so die Agenturchefin. Nach diversen Schnupperwochen – „das ist sehr wichtig!“ – entschied sich die junge Frau für eine Lehre als Elektroanlagentechnikerin bei SSI Schäfer – und schaffte auch auf Anhieb die Lehrabschlussprüfung. Mittlerweile interessiert sich die 24-Jährige aber für die Ausbildung zur Tätowiererin. „Darauf bereitet sie sich gerade akribisch vor – aber das Gute ist: Ich weiß, auch wenn das nichts werden sollte, als Elektrotechni- kerin findet sie jederzeit wieder einen Job“, erklärt die stolze Mutter.
WENN IN DER SCHULE EINFACH NICHTS MEHR GEHT Maximilian ist 15 – und hat eine sehr klare Vorstellung von seiner beruflichen Zukunft. Wie es Mama Michaela Mayr mit ihrem selbstbewussten Sohn zwischen Corona-Schulfrust und der Entscheidung für eine Lehre ergangen ist, hat sie uns im Interview verraten.
Die Pandemie hat auf unser aller Leben Auswirkungen – auf manche mehr, auf manche weniger. Und sie hat ein Brennglas darauf gerichtet, was uns wirklich wichtig ist. Im Fall von Maximilian war das jedenfalls nicht die Schule. „Er war schon davor kein begeisterter Schüler, musste die dritte Klasse Gymnasium wiederholen. Dann kam auch noch das Homeschooling, da hab‘ ich gemerkt, jetzt ist endgültig die Luft draußen.“ Maximilian konnte immer weniger Sinn in den Online-Aufgaben sehen – und er wollte sich Dinge selbst erarbeiten. Wenn ihn seine Mutter bei der Schularbeiten-Vorbereitung unterstützte und er daraufhin eine bessere Note schrieb, stellte sich die erhoffte Freude nicht ein. „Das war für ihn dann einfach nichts wert“, erklärt Michaela Mayr. Erst nach und nach wurde ihr klar, dass ihr Sohn die Mitarbeit im Gymnasium fast vollkommen eingestellt hatte. „Das war eine schwierige Zeit“, gibt Mayr zu.
Mit den Händen arbeiten Doch dafür war eine andere Begeisterung in Maximilian erwacht: Mit Freunden hatte er angefangen, an Mopeds herumzuschrauben. „Er hat zu mir gesagt, er will mit den Händen arbeiten – das war für mich der Schlüsselsatz, plötzlich hat es Klick gemacht.“ Nach dem Wechsel vom Gymnasium in die Neue Mittelschule ließ der Druck nach, die berufspraktischen Tage beim ÖAMTC waren dann der letzte Puzzlestein, um das Bild von der beruflichen Zukunft vollständig zu machen. Kürzlich hat er seine Bewerbung für eine Lehrstelle an den ÖAMTC abgeschickt. „Dass wir jetzt wissen, wohin die Reise geht, war eine echte Erleichterung“, erklärt die Mutter. „Natürlich hätte ich mir gewünscht, dass es in der Schule besser klappt – ich habe ja sein Potenzial gesehen. Und es war schwierig, die Balance zu finden, wie sehr ich mich einmische und wie viel ich ihm selbst zutraue. Aber er ist sehr selbstständig und selbstbewusst und weiß instinktiv, was gut für ihn ist.“
Lehre mit Matura Für Maximilian ist übrigens jetzt schon klar, dass er eine Lehre mit Matura absolvieren will. „Er hat gleich gesagt, wer weiß, ob mir der Lehrabschluss allein dann reicht und ob ich das mein Leben lang machen will. Ich mache mir wirklich keine Sorgen um meinen Sohn, ich bin sicher, der geht seinen Weg“, meint Mayr.
Michaela Mayr ist froh, dass ihr Sohn Maximilian sich für eine Lehre entschieden hat.
Andrea Hickel ist promovierte Chemikerin und Leiterin der Chemie Akademie in Graz. Warum sie trotzdem glücklich ist, dass ihr 16-jähriger Sohn sich gegen ein Studium entschieden hat, erzählt sie im Interview.
Als Akademiker-Kind scheint der Ausbildungsweg oftmals vorgezeichnet: Matura und Studium, so gehört sich das. Doch nicht in jedem Fall ist das der beste Weg. „Es gibt einfach Kinder, die nicht ins System passen“, meint Andrea Hickel. Die promovierte Chemikerin hat beides zu Hause: Tochter Fiona hat maturiert, arbeitet derzeit in der Gastrobranche und will im kommenden Jahr nach Wien gehen, um Veterinärmedizin zu studieren.
Ihr 16-jähriger Bruder David dagegen hatte eine eher holprige Schullaufbahn. „Das war weniger seine Schuld“, meint Hickel. Die Scheidung der Eltern, zwei Schulwechsel und gesundheitliche Probleme – es kam einfach zu viel zusammen. „Und er hinterfragt auch viel – das ist nicht bei allen Lehrern gut angekommen“, schmunzelt Hickel.
Ein neuer Weg in der IT Die Entscheidung, die Schule zu verlassen und sich lieber auf eine praxisnahe Ausbildung zu fokussieren, lag bald auf der Hand. Schon vor Jahren hat sich David selbst das Programmieren beigebracht, derzeit lernt er gerade Japanisch. Nun sucht er eine Lehrstelle im IT-Bereich, am besten bei einer großen Firma, wo er auch Auslandserfahrungen sammeln darf. „Natürlich habe ich darüber nachgedacht, ob er vielleicht doch lieber eine HTL machen sollte. Ich muss zugeben, ich war oft eine Gluckenmutter, das Loslassen musste ich erst lernen. Und natürlich gab es auch genügend Streitereien, immerhin ist David ja auch mitten in der Pubertät. Aber ich habe begriffen, dass es wichtiger ist, dass er ein Ziel hat und für sich einen Weg findet, der ihn erfüllt und glücklich macht“, erzählt die Leiterin der Chemie Akademie.
Den eigenen Weg finden „Es ist nicht mein Weg, es ist seiner – das übersieht man als Mutter oder Vater oft, einfach, weil man das Beste für sein Kind will.“ Wobei es natürlich hilft, wenn man – so wie Hickel – selbst seinen Weg gefunden hat. „Ich habe alles erreicht, was ich wollte – ich muss mich nicht mehr über meine Kinder verwirklichen.“
Welchen Rat würde sie anderen Müttern in dieser Entscheidungsphase geben? „Ich denke, das Wichtigste ist, dass man immer versucht, die Beziehung zum Kind aufrechtzuhalten. Schule und Bildung sind wichtig, aber der gemeinsame Spaß und das Verständnis füreinander darf nie zu kurz kommen – so behält man immer den Draht zum Kind.“
Den Potenzialen folgen „Ich habe ein wirklich gutes Gefühl, David wird seinen Weg machen. Mir ist wichtig, dass meine Kinder ihre Potenziale ausschöpfen und ihrem Leben einen Sinn geben – das heißt eben für jeden Menschen etwas Anderes. Mehr als das kann ich mir für sie nicht wünschen.“
Während der Pandemie lud Gini Lampl unter dem Namen Billie Steirisch Comedy in breitem steirischen Dialekt auf TikTok hoch. Sie dachte, das sähen nur einige wenige. Mittlerweile kann sie davon leben.
GINI LAMPL hat Musical studiert und ist neben ihrem Social-Media-Content als Sängerin und Schauspielerin tätig. Große Bekanntheit erlangte sie durch englische Songs, die sie ins Steirische umtextete; legendär sind ihre „Tierdokus auf Steirisch“. Auf Instagram folgen ihr 50.000 Menschen. Gini Lampl schreibt auch eigene Songs. „Ferdl“ war ihr erster Hit, ihren „Steirische Brauch“ hat sie als Rap angelegt. Die Steirerin lebt heute in Wien.
Hättest du dir jemals gedacht, dass du mit Lustigsein auf Social Media einmal Geld verdienen wirst?
Billie Steirisch: Ich bin ja ausgebildete Sängerin und Schauspielerin, mein Wunsch und mein Ziel waren natürlich schon, damit einmal Geld zu verdienen. Aber dass es über Online oder Social Media passiert, hätte ich nicht erwartet.
Wie kam es zu Billie Steirisch?
Während der Pandemie konnten wir Künstler nicht auf die Bühnen, alles war abgesagt. Meinen kreativen Output wollte ich trotzdem raushauen und habe das über TikTok gemacht, weil ich dachte, da ist eh keiner, das sieht niemand. Das waren anfangs Comedy-Sketches und englische Songs, die ich auf Dialekt umgetextet habe. Ich dachte anfangs wirklich, ich mache das nur für mich. Dann sind die ersten Videos viral gegangen und ich merkte, dass da doch viele Leute unterwegs sind. Auf einmal hatte ich 100.000 Views, dann 300.000. So bin ich auf den Gedanken gekommen, dass man da vielleicht mehr machen könnte.
Hattest du nie Scheu davor, etwas zu sagen oder zu tun, wofür du einen Shitstorm ernten könntest? Oder sagst du: Was authentisch ist, soll raus?
Im Großen und Ganzen will ich immer authentisch sein, wie ich eben bin. Es stört mich auch nicht, anzuecken oder zu provozieren, das ist Teil meiner Persönlichkeit. Dass ich aufpassen muss, was ich poste, weil das ja doch mehr als hundert Leute sehen, ist mir erst im Laufe der Zeit bewusst geworden. Als die ersten Firmen angefragt haben, ob ich für sie ein Werbegesicht sein will, dachte ich schon: Oh Gott, das ist jetzt nicht nur mehr Spaß.
Wie ist es dir mit der Vorstellung gegangen, dass unter deinen Viewern auch Menschen sein könnten, die es nicht immer gut mit dir und der Welt meinen?
Diese Vorstellung war in der Tat etwas gruselig, wenn ich bis heute auch wenig Hasskommentare bekommen habe. Aber natürlich, die ersten negativen Meldungen haben mich getroffen, es gibt dir schon einen kleinen Stich ins Herz. Aber wenn man so viel Output hat – ich habe damals ja fast täglich etwas gepostet – muss man sich daran gewöhnen, es muss einem wurscht werden.
Wovon kannst du besser leben: von Billie Steirisch oder von Gini Lampl?
Meine Cash Cow ist eindeutig Billie, aus der stammt der größte Teil des Einkommens. Social Media ist definitiv lukrativer als etwa eine Anstellung in einem Theater. Natürlich ist es auch instabil. Da hast du einmal einen Hype und bist ein halbes Jahr voll angesagt, dann überlegt es sich der Algorithmus anders und deine Reichweite bricht ein. Deshalb investiere ich auch in meine Musik, die ist dann doch langlebiger und beständiger. Ich investiere in Produkte und darin, mich als Person zu branden, um nicht zu sehr von Social Media abhängig zu sein. Man hat auch Lebensphasen oder ist mit Kooperationen beschäftigt, wo man nicht immer Zeit zum Contentproduzieren hat.
Influencer oder YouTuber werden zu wollen, ist ja der Traum vieler Jugendlicher. Wie lange hat es bei dir gedauert, bis du festgestellt hast: Jetzt hat mich eine größere Gruppe entdeckt?
Auf Social Media geht das recht schnell, wenn einmal der Inhalt funktioniert. Es kann auch sein, dass man jahrelang unter der Oberfläche dahindüm- pelt. Ich habe einen Musikerkollegen, der postete zwei Jahre ohne rechten Erfolg, dann auf einmal ging es richtig los. Man muss extreme Ausdauer haben, es ist ein bisserl wie Lottospielen. Natürlich ist es erfolgversprechender, wenn man dabei einen Plan hat, wenn man weiß, was man will, und man professionell in dem ist, was man tut. Aber ob dich der Algorithmus auswählt oder nicht, ist schon Glückssache. Und dann gibt es Inhalte, die länger brauchen, bis sie in die richtige Bubble kommen. Comedy beispielsweise erreicht Leute schneller als Videos, die zeigen, wie man irgendwelche Kerzen herstellt.
Welche Gefühle haben dich am Beginn dieser Reise begleitet?
Nach dem ersten Hype stellte ich fest, dass plötzlich nicht mehr alles viral ging wie zu Beginn. Dazu kommt, dass man auch süchtig nach dieser Anerkennung wird, nach den Likes, den Klicks. Da fragt man sich schon, warum man es tut. Ich für mich kam zum Schluss: Mir taugt das, und ich mache es für mich, egal, wie die anderen das sehen. Alles Weitere hat sich von selbst ergeben. Ab dem Moment dachte ich auch nicht mehr daran, ob es funktionieren könnte.
Was ist für dich Erfolg im Leben?
Erfolg ist für mich, wenn man zufrieden und glücklich ist. Das hat jetzt gar nichts mit Reichsein zu tun. Wenn ich als Friseurin arbeite oder als Lehrerin, ich in meinem Job glücklich bin und er mich erfüllt, bin ich nach meinem Geschmack ein erfolgreicher Mensch. Der vielleicht sogar glücklicher ist als ein Topstar, den jeder kennt. Weil man muss schon sagen: Viele tun das, was sie tun, für Anerkennung und Ruhm, nicht so sehr für sich selbst und weil sie das von Herzen tun wollen.
Lehrlinge sind in der Regel erst 15, wenn sie sich für einen Beruf entscheiden müssen. Wenn du zurückdenkst, welchen Rat in Bezug auf deine Zukunft hättest du in diesem Alter gern gehört?
Dass es bei der Entscheidung um die Frage gehen sollte, was man wirklich gern macht und nicht, was das meiste Geld bringt. Und dass die Erwachsenen einen bestärken sollten in dem, was man tun will. Es gibt ja auch unkonventionelle und coole Lehrberufe, statt zu sagen: „Da gibt es aber nicht so viele Stellen“ oder „Bei uns in der Nähe bekommst du da aber keinen Job“ könnten Eltern das Kind einfach ermutigen, den Beruf zu ergreifen, egal wie der Arbeitsmarkt aussieht. Zu mir haben auch viele Leute gesagt, ich würde mit dem, was ich tun will, nie Geld verdienen. Doch mein Traum ist wahr geworden, weil ich halt weitergemacht habe und meinen Weg weitergegangen bin, und das ganz ohne Kontakte oder Beziehungen. Wenn jemand etwas wirklich will und einen starken Willen hat, wird er oder sie es auch schaffen.
Was konkret würdest du Eltern raten?
Ich würde ihnen raten, ihr Kind zu unterstützen, sofern der Beruf nicht in die Kriminalität führt (lacht). Manche Eltern sollten ihr Ego zurückstellen, vor allem wenn sie wollen, dass ihre Kinder das tun, was sie selbst gern gemacht hätten, und das sie nun über die Kinder ausleben können. Das geht selten gut. Außer das Kind will es.
Wie war das bei dir?
Mein Papa wollte immer Musiker werden. Und ich wollte von klein auf Schauspielerin und Sängerin werden. Das hat sich halt super getroffen, meine Eltern waren total offen, was meinen Berufswunsch anbelangt. Sie haben mich unterstützt, ohne Druck zu machen. Natürlich kann man auch Grenzen setzen und die finanzielle Unterstützung an einen gewissen Erfolg knüpfen, damit das Kind auch wirklich schaut, dass es etwas weiterbringt.
Hast du dir schon einmal überlegt, wie es gewesen wäre, hätten dich deine Eltern nicht unterstützt?
Ich denke, es wäre viel härter gewesen. Und die Bindung zu meinen Eltern wäre nicht so stark, wie sie ist. Ich weiß nicht, ob ich das alles durchgezogen hätte. Ein Vollzeitstudium und daneben noch 30 Stunden arbeiten zu müssen, weil es an finanzieller Unterstützung fehlt und man für die Miete aufkommen muss, ist schon hart. Ich weiß nicht, ob ich ohne die Unterstützung meiner Eltern so mutig gewesen wäre, weiterzugehen oder durchzuhalten.
„Viele tun das, was sie tun, für Anerkennung und Ruhm, nicht so sehr für sich selbst und weil sie das von Herzen tun wollen.“
Es gibt ja den Spruch: „Tu, was dir Spaß macht.“ Wir wissen aber, dass Eltern oder die Peergroup mit ihrer Meinung wichtig sind und das „einfach tun“ alles andere als einfach ist. Wie würdest du den Spruch für junge Menschen auf dem Sprung in den ersten Job umtexten?
Vielleicht: Wähle etwas aus, bei dem du dir nicht vorstellen kannst, ohne es leben zu wollen. Bei mir war das eben die Musik, die ich extrem liebe. Es gibt ja auch genügend Menschen, die sich handwerklich betätigen wollen. Jeder hat etwas, das er sehr gern tut.
Hast du einen Karriereplan oder überlässt du das, was kommt, dem Schicksal?
Ich habe schon ein Ziel beziehungsweise einen Plan, darin sind auch die einzelnen Schritte definiert. Ohne die kommt man nicht wirklich zum Ziel. Mein Ziel wäre schon, eine große Tour in vollen Häusern zu spielen. Ich würde mir wünschen, dass man meine Musik gern hören und die Live-Shows sehen will, und dass dies einmal einen großen Teil meines Einkommens ausmacht. Schön wäre auch die Vorstellung, dass ich Menschen mit meiner Musik durch ihr Leben begleiten und ihnen kleine Erinnerungen mitgeben kann. Dass sie etwa an Billie Steirisch denken, weil sie einen Song auf der Matura-Reise gehört haben, dabei zum ersten Mal geschmust oder Liebeskummer hatten. Und sonst arbeiten wir gerade mit Hochdruck an meiner LP, wir arbeiten mit diversen Unternehmen zusammen. Wir lassen aber vieles auch auf uns zukommen.
Hattest du je einen Plan B in deinem Leben?
Ich bin ja in dem, was ich mache, so vielseitig interessiert – das sind Comedy, Musik, im letzten Aussee-Krimi spielte ich eine große Rolle. Schon als Kind hatte ich eine Berufsranking-Liste. Da haben sich auf Platz eins und zwei Schauspiel und Gesang abgewechselt, Moderatorin war Top drei. Die ersten beiden Sachen habe ich studiert, bei Krone Hit habe ich zwei Jahre den Verkehr angesagt. Platz vier war Stewardess, das wäre auch eine Option gewesen, und auf Platz fünf lag die Stripperin.
Warum das?
Ich bin mit Cardi B. und anderen Rapperinnen groß geworden, und viele davon arbeiteten vorher als Stripperin.