MUTTER IM TALK

„LOSLASSEN MUSSTE ICH ERST LERNEN“

Andrea Hickel ist promovierte Chemikerin und Leiterin der Chemie Akademie in Graz. Warum sie trotzdem glücklich ist, dass ihr 16-jähriger Sohn sich gegen ein Studium entschieden hat, erzählt sie im Interview.

Als Akademiker-Kind scheint der Ausbildungsweg oftmals vorgezeichnet: Matura und Studium, so gehört sich das. Doch nicht in jedem Fall ist das der beste Weg. „Es gibt einfach Kinder, die nicht ins System passen“, meint Andrea Hickel. Die promovierte Chemikerin hat beides zu Hause: Tochter Fiona hat maturiert, arbeitet derzeit in der Gastrobranche und will im kommenden Jahr nach Wien gehen, um Veterinärmedizin zu studieren.

Ihr 16-jähriger Bruder David dagegen hatte eine eher holprige Schullaufbahn. „Das war weniger seine Schuld“, meint Hickel. Die Scheidung der Eltern, zwei Schulwechsel und gesundheitliche Probleme – es kam einfach zu viel zusammen. „Und er hinterfragt auch viel – das ist nicht bei allen Lehrern gut angekommen“, schmunzelt Hickel.

Ein neuer Weg in der IT
Die Entscheidung, die Schule zu verlassen und sich lieber auf eine praxisnahe Ausbildung zu fokussieren, lag bald auf der Hand. Schon vor Jahren hat sich David selbst das Programmieren beigebracht, derzeit lernt er gerade Japanisch. Nun sucht er eine Lehrstelle im IT-Bereich, am besten bei einer großen Firma, wo er auch Auslandserfahrungen sammeln darf. „Natürlich habe ich darüber nachgedacht, ob er vielleicht doch lieber eine HTL machen sollte. Ich muss zugeben, ich war oft eine Gluckenmutter, das Loslassen musste ich erst lernen. Und natürlich gab es auch genügend Streitereien, immerhin ist David ja auch mitten in der Pubertät. Aber ich habe begriffen, dass es wichtiger ist, dass er ein Ziel hat und für sich einen Weg findet, der ihn erfüllt und glücklich macht“, erzählt die Leiterin der Chemie Akademie.

Den eigenen Weg finden
„Es ist nicht mein Weg, es ist seiner – das übersieht man als Mutter oder Vater oft, einfach, weil man das Beste für sein Kind will.“ Wobei es natürlich hilft, wenn man – so wie Hickel – selbst seinen Weg gefunden hat. „Ich habe alles erreicht, was ich wollte – ich muss mich nicht mehr über meine Kinder verwirklichen.“

Welchen Rat würde sie anderen Müttern in dieser Entscheidungsphase geben? „Ich denke, das Wichtigste ist, dass man immer versucht, die Beziehung zum Kind aufrechtzuhalten. Schule und Bildung sind wichtig, aber der gemeinsame Spaß und das Verständnis füreinander darf nie zu kurz kommen – so behält man immer den Draht zum Kind.“

Den Potenzialen folgen
„Ich habe ein wirklich gutes Gefühl, David wird seinen Weg machen. Mir ist wichtig, dass meine Kinder ihre Potenziale ausschöpfen und ihrem Leben einen Sinn geben – das heißt eben für jeden Menschen etwas Anderes. Mehr als das kann ich mir für sie nicht wünschen.“

„Was macht eigentlich…“

2024-12-16 04:12:01

karin

Misserfolge machen mutiger

2024-12-16 07:12:36

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2024-12-16 08:12:13

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2024-12-16 08:12:27

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  • MUTTER IM TALK

    MUTTER IM TALK

    „LOSLASSEN MUSSTE ICH ERST LERNEN“

    Andrea Hickel ist promovierte Chemikerin und Leiterin der Chemie Akademie in Graz. Warum sie trotzdem glücklich ist, dass ihr 16-jähriger Sohn sich gegen ein Studium entschieden hat, erzählt sie im Interview.

    Als Akademiker-Kind scheint der Ausbildungsweg oftmals vorgezeichnet: Matura und Studium, so gehört sich das. Doch nicht in jedem Fall ist das der beste Weg. „Es gibt einfach Kinder, die nicht ins System passen“, meint Andrea Hickel. Die promovierte Chemikerin hat beides zu Hause: Tochter Fiona hat maturiert, arbeitet derzeit in der Gastrobranche und will im kommenden Jahr nach Wien gehen, um Veterinärmedizin zu studieren.

    Ihr 16-jähriger Bruder David dagegen hatte eine eher holprige Schullaufbahn. „Das war weniger seine Schuld“, meint Hickel. Die Scheidung der Eltern, zwei Schulwechsel und gesundheitliche Probleme – es kam einfach zu viel zusammen. „Und er hinterfragt auch viel – das ist nicht bei allen Lehrern gut angekommen“, schmunzelt Hickel.

    Ein neuer Weg in der IT
    Die Entscheidung, die Schule zu verlassen und sich lieber auf eine praxisnahe Ausbildung zu fokussieren, lag bald auf der Hand. Schon vor Jahren hat sich David selbst das Programmieren beigebracht, derzeit lernt er gerade Japanisch. Nun sucht er eine Lehrstelle im IT-Bereich, am besten bei einer großen Firma, wo er auch Auslandserfahrungen sammeln darf. „Natürlich habe ich darüber nachgedacht, ob er vielleicht doch lieber eine HTL machen sollte. Ich muss zugeben, ich war oft eine Gluckenmutter, das Loslassen musste ich erst lernen. Und natürlich gab es auch genügend Streitereien, immerhin ist David ja auch mitten in der Pubertät. Aber ich habe begriffen, dass es wichtiger ist, dass er ein Ziel hat und für sich einen Weg findet, der ihn erfüllt und glücklich macht“, erzählt die Leiterin der Chemie Akademie.

    Den eigenen Weg finden
    „Es ist nicht mein Weg, es ist seiner – das übersieht man als Mutter oder Vater oft, einfach, weil man das Beste für sein Kind will.“ Wobei es natürlich hilft, wenn man – so wie Hickel – selbst seinen Weg gefunden hat. „Ich habe alles erreicht, was ich wollte – ich muss mich nicht mehr über meine Kinder verwirklichen.“

    Welchen Rat würde sie anderen Müttern in dieser Entscheidungsphase geben? „Ich denke, das Wichtigste ist, dass man immer versucht, die Beziehung zum Kind aufrechtzuhalten. Schule und Bildung sind wichtig, aber der gemeinsame Spaß und das Verständnis füreinander darf nie zu kurz kommen – so behält man immer den Draht zum Kind.“

    Den Potenzialen folgen
    „Ich habe ein wirklich gutes Gefühl, David wird seinen Weg machen. Mir ist wichtig, dass meine Kinder ihre Potenziale ausschöpfen und ihrem Leben einen Sinn geben – das heißt eben für jeden Menschen etwas Anderes. Mehr als das kann ich mir für sie nicht wünschen.“

  • Misserfolge machen mutiger

    Misserfolge machen mutiger

    Rüdiger Maas, Generationenforscher und Autor aus Augsburg, zeichnet in seinem neuen Buch Generation lebensunfähig ein beunruhigendes Bild einer Jugend, die immer weniger mit Frustration umgehen kann. Im Interview verrät er, wie Eltern ihre Kinder am besten unterstützen. Spoiler: Weniger ist mehr!

    Überbehütet in der realen Welt, alleingelassen in der digitalen

    Das ist die Generation Z, jene Jugendlichen, die 1995 oder später geboren sind. An seinem Institut für Generationenforschung beschäftigt sich der deutsche Psychologe Rüdiger Maas seit Jahren mit dem Phänomen einer Jugend, die vermeintlich alles hat und doch nicht zufrieden ist.

    Wir sprachen mit ihm darüber, warum es so wichtig ist, dass Jugendliche auch negative Erfahrungen machen dürfen und Eltern nicht versuchen sollten, die besten Freunde ihrer Kinder zu sein.

    Zukunft meistern: Herr Maas, die Generation Z ist diejenige, die nun in die Arbeitswelt einsteigt – was kennzeichnet diese jungen Menschen? 

    Rüdiger Maas: Dies ist die erste Generation, die mit Social Media groß geworden ist – sie kann sich eine Welt ohne Internet nicht mehr vorstellen, so wie wir uns eine Welt ohne Schrift nicht mehr vorstellen können. Und diese Jugend ist in einen absoluten Wohlstand hineingeboren worden, alles war möglich. Der soziodemografische Wandel spielt diesem Wohlstand noch in die Karten: Viele Menschen gehen in Pension, weniger rücken nach, die Jugend von heute kann sich ihren Arbeitgeber aussuchen. Dazu kommt noch eine riesige Auswahl an Ausbildungs- und Studienmöglichkeiten.

    Aber diese Fülle an Ausbildungen macht die Wahl ja nicht unbedingt leichter. 

    Rüdiger Maas: Wir sprechen tatsächlich von einer Optionsdepression: Wenn die Auswahl zu groß ist, hat man oft nicht das Gefühl, dass man für sich das Allerbeste herausholen konnte. Man zweifelt hinterher immer wieder, ob man sich nun wirklich für das Optimum entschieden hat; darum tut sich die Generation Z auch so schwer mit Entscheidungen – im Schnitt braucht ein Generation-Z-Mensch 18 Minuten, um in Netflix eine Sendung auszuwählen. Diese unendliche Vielfalt macht halt die Leute auch nicht glücklicher: Wenn man seinem Kind heute vier Adventkalender schenkt, dann entwertet man natürlich auch alle vier. Aber so ist die Generation Z aufgewachsen.

    „Die vielen Möglichkeiten, aus denen Jugendliche heute wählen können, machen sie nicht glücklicher.“

    Was sind denn die Stärken und Schwächen der Generation Z?

    Rüdiger Maas:Die Stärken sind ein höheres Liberalitätsverständnis, eine höhere Moral und in der analogen Welt ein höheres Regelverhalten – man hält sich mehr an Regeln und Vorgaben, fordert dies aber im Gegenzug auch von allen anderen ein. Dadurch wirken diese jungen Menschen auf uns oft konservativ. Doch in der digitalen Welt wollen sie am liebsten gar keine Vorschriften. Durch den Wohlstand und auch, weil die Eltern sich nicht zur Abgrenzung eigneten, sondern beste Freunde und Berater waren und sind, kommt bei vielen auch eine geringe Frustrationstoleranz dazu – diese Generation ist weit weniger offen für Kritik als die davor.

    Eltern: die besten Freunde? 

    Zukunft meistern: Und wie kann man die Eltern dieser Jugendlichen beschreiben? 

    Rüdiger Maas: Die wollen am liebsten die besten Freunde ihrer Kinder sein und sind teilweise sogar eifersüchtig auf die anderen besten Freunde ihrer Kinder. Sie passen sich den Kindern an, hören die gleiche Musik, ziehen sich gleich an. Die Eltern sind die größten Fans ihrer Kinder. Sie können und wollen nicht mehr loslassen. Mittlerweile nimmt das teils skurrile Formen an: Dass Eltern in einer Vorlesung neben ihren Kindern sitzen, mitgehen zum Bewerbungsgespräch oder mitentscheiden, ob die Arbeitsstelle die richtige ist, ist keine Seltenheit mehr.Das alles gilt allerdings nur für die analoge Welt. In ihren Rückzugsräumen in der digitalen Welt lassen die Eltern ihre Kinder völlig allein. Da findet das Gegenteil dieser Überbehütung in der realen Welt statt. Man nutzt zwar die sozialen Medien, um zum Beispiel über WhatsApp oder Instagram Kontakt zu halten, aber die Kinder haben dann oft noch weitere Instagram-Accounts, von denen Mama und Papa nichts wissen sollten. Die würden ihren Kindern das ziemlich übelnehmen, denn beste Freunde haben ja keine Geheimnisse. Dabei vergessen sie, dass sie ein Kind vor sich haben, das Rückzugsräume braucht und eben nicht der beste Freund, sondern in erster Linie Tochter oder Sohn ist.

    Negative Erfahrungen machen stark

    Zukunft meistern: Wie können Eltern nun ihre Kinder unterstützen, wenn sie vor der Entscheidung Schule oder Lehre stehen? 

    Rüdiger Maas: Die Frage ist, wieso müssen sie denn immer unterstützen? Die Kinder müssen doch auch einmal selber lernen, bestimmte Dinge zu bewältigen, zu entscheiden, sich etwas aufzubauen – natürlich in einem bestimmten Rahmen. Die Eltern sollten sich mehr um die digitale Welt kümmern und die Kinder in der analogen Welt einfach mehr machen lassen. Auch negative Erfahrungen oder Misserfolge können Kindern Ressourcen geben, sie stärken und helfen, Resilienz aufzubauen. Dieses ständige Bespaßen und der Versuch, das Optimum für die Kinder herauszuholen, bewirkt leider oft das Gegenteil: Wir wissen, dass die unglücklichsten Menschen jene aus der Generation Z sind – da stimmt doch was nicht! Das liegt genau daran, dass wir den Kindern sämtliche Erfahrungen nehmen. Ich kann ja gar nicht mehr stolz sein, wenn ich etwas geschafft habe, wenn Mama mich nie etwas alleine machen lässt; wenn ich für alles gelobt werde, dann hat es doch keine Bedeutung mehr für mich.

    Corona und die analoge Welt

    Zukunft meistern: Welche Auswirkungen hat Corona auf diese Generation? 

    Rüdiger Maas: Das Alter zwischen 15 und 25 ist ja genau die Zeit, wo man alles viel intensiver wahrnimmt – da ist natürlich viel verloren gegangen. Man muss auch mal eine Lanze brechen für die Jüngeren, die haben ja überall mitgemacht. Es sind ja kaum Demos oder heimlich Partys von Jüngeren bekannt. Die Kinder waren oft sogar dankbar für diese Maßnahmen und Restriktionen, weil ihnen das Sicherheit gegeben hat. Zugleich ging auch das Training der analogen Welt noch mehr verloren. Einige junge Leute fanden den Lockdown sogar gut, weil sie dann nicht mehr erklären mussten, warum sie nicht rausgehen. Es gab noch nie so viele Jugendliche, denen es so schwerfällt, unbekannte Menschen anzusprechen oder jemanden anzurufen. 50 Prozent der Bürger in Deutschland und Österreich lernen sich mittlerweile zuerst digital kennen. So jemand tut sich natürlich in einem Job zum Beispiel im Vertrieb extrem schwer.

    Ihr Rat an Eltern

    Zukunft meistern: Was können Eltern konkret tun, um ihre Kinder auf das Leben vorzubereiten? 

    Rüdiger Maas: Wir sollten viel gechillter werden – mehr Bauchgefühl zulassen, die Kinder auch mal Langeweile aushalten lassen. Die Arbeit findet halt nun mal analog statt, der Arbeitgeber steht in der realen Welt vor einem und übt Kritik. Da braucht es auch mal Durchhaltevermögen. Und auch Eltern dürfen Fehler machen, das darf man sich auch zugestehen. Es gibt ja nicht die eine perfekte Erziehung für alle Kinder.

    Generation lebensunfähig“ ist im Verlag YES erschienen und kostet 20,60 Euro.

  • „Was macht eigentlich…“

    200 Lehrberufe gibt es hierzulande. Kein Wunder, dass die Auswahl nicht immer so leichtfällt. Wir haben ein paar davon ausgewählt und geben Einblick in den Arbeitsalltag.

    Technik von Grund auf verstehen

    Maschinenbautechnik

    Ein Maschinenbautechniker ist Fachmann für die Montage, Wartung und Optimierung von Maschinen und Anlagen. „Es geht darum, Maschinen und Anlagen von Grund auf zu verstehen und gezielt weiterzuentwickeln“, sagt Michael Durlacher, der die Lehre zum Maschinenbautechniker bei Milteco abgeschlossen hat. Bauteile werden montiert, justiert und getestet, bis jede Maschine läuft, wie sie soll. „Dabei ist mein Job viel mehr als reines Zusammenbauen: Ich lese technische Zeichnungen, prüfe die Funktionsweise von Systemen und bringe elektronische, mechanische und hydraulische Bauteile in Einklang.“ Eine Aufgabe liegt in der Instandhaltung und Wartung. „Ich sorge dafür, Ausfälle zu vermeiden. Fehlerquellen schnell zu erkennen und kreative Lösungen zu finden, gehört dazu. Durch meinen Einsatz laufen Produktionsprozesse weiter und werden effizienter.“

    Auf dem Prüfstand

    Elektrotechnik

    Schalt- und Starkstromanlagen, elektronische Gebäudeausrüstungen, Informations- und Kommunikationsanlagen sind das Metier im Lehrberuf Elektrotechnik. Da der Bereich breit gefächert ist, gibt es in der Regel anders als in der Elektriker Lehre eine Spezialisierung auf Anlagen und Geräte. „Ich arbeite an der Fertigung komplexer elektrischer Schaltanlagen und Komponenten für hochmoderne Prüfstände, die bei anspruchsvollen Fahrzeugtests der Kunden aus der Automobilindustrie zum Einsatz kommen“, sagt Zahra Noorahmadi. Sie hat bei KS Engineers eine Lehre zur Elektrotechnikerin mit Schwerpunkt Automatisierungs- und Prozessleittechnik absolviert. „Ich übernehme alle Fertigungsschritte von Montage der elektrischen Bauteile über Lötarbeiten und Kabelkonfektionierung bis hin zur Überprüfung und Inbetriebnahme der Anlage“, so die Jung- fachkraft. Sorgfältig und strukturiert zu arbeiten ist wichtig: „Jedes Bauteil und jede Verbindung spielen eine Rolle für die Gesamtfunktionalität der Anlage. Es ist auch spannend, an Anlagen zu arbeiten, die für die Entwicklung neuer umwelt- schonender Fahrzeuge verwendet werden.“

    Drehscheibe mit Präzision

    Betriebslogistik

    In der Betriebslogistik lernt man, wie Waren und Materialien in einem Unternehmen effizient verwaltet und Abläufe optimiert werden. Transporte planen und koordinieren, Bestellungen überwachen und sicherstellen, dass Lieferungen pünktlich und korrekt eintreffen, gehört dazu. „Spannend finde ich die Organisation unserer Warenlager und Versandabteilungen. Hier ist Präzision gefragt, damit alles reibungslos läuft. Ein Highlight ist die Arbeit mit modernen IT- Systemen. Sie helfen, den Warenfluss zu analysieren, Daten auszuwerten und Verbesserungsmaßnahmen zu entwickeln“, sagt Jana Zinner, die bei Heldeco die Lehre zur Betriebslogistikerin macht. „Ob es um Inventuren, die Analyse von Beständen oder die Einhaltung gesetzlicher Vorschriften geht – ich habe immer das Gefühl, Teil eines großen Ganzen zu sein.“ Zusätzliche Bedeutung erhält die Lagerwirtschaft durch die zunehmende Verbreitung des Handels über Internet, was neue Herausforderungen an die Logistik stellt.

    Beton für alle Fälle

    Hoch- und Betonbau

    Ein Betonbauer – früher Mauer- und Schalungsbauer – ist Spezialist für das Errichten stabiler Bauwerke aus Beton und Mauerwerk. Zu den Aufgaben zählen das Bauen von Schalungen, das Verlegen von Stahlbewehrungen und das Gießen von Beton für Wände, Decken und Fundamente. Der Beruf hat sich gewandelt: Statt einfacher Mauern und Formen geht es um hochpräzise Betonarbeiten und komplexe Baukonstruktionen. „Ab dem Aushub bin ich auf der Baustelle dabei und sehe, wie das Projekt wächst“, sagt Liam-Farr, Lehrling im Hoch- und Betonbau bei Lieb Bau Weiz. „Jede Baustelle bringt neue Heraus- forderungen. Diese Vielseitigkeit schätze ich.“ Im Hochbau wird Beton bei der Errichtung von Fundamenten, Decken, Stiegen und Trägerkonstruktionen verwendet, im Tiefbau bei Brücken, Tunnels, Autobahnen und Tiefgaragen, im Wasserbau bei Staudämmen, Hochwasserschutzbauten, Kanal- und Kläranlagen.

    Struktur hinter den Kulissen

    Industriekaufmann/-frau

    Es ist eine Allroundaufgabe in der Organisation und Verwaltung eines Unternehmens, damit hinter den Kulissen alles strukturiert und effizient verläuft: Industriekaufleute planen und koordinieren Abläufe in Abteilungen wie Einkauf, Vertrieb oder Personalwesen. Sie erstellen Angebote, bearbeiten Bestellungen, überwachen Liefertermine und Zahlungen, prüfen Rechnungen, helfen bei der Kostenplanung oder der Organisation von Schulungen. „Mir gefällt, dass ich selbstständig arbeiten kann“, sagt Christina Wallner, Industriekauffrau-Lehrling bei Komptech. „In meinem Bereich ist die Preiskalkulation wichtig, aber auch die Erstellung von Dokumenten wie Auftragsbestätigung, Rechnung und Lieferschein. Ich habe viel Kundenkontakt und muss die Bestellungen bis zur Maschinenauslieferung abwickeln. Auch Stammdatenpflege gehört zu meinen Aufgaben.“

    Jede Naht muss halten

    Stahlbau- und Schweißtechnik

    Stahlbau- und Schweißtechnik kombiniert handwerkliches Können und technologischen Fortschritt. Man lernt, wie man Stahl präzise und sicher verarbeitet, um stabile Konstruktionen herzustellen. Zum Einsatz kommen manuelle Schweißtechniken bis hin zu modernste Maschi- nen und Roboter. „Als Lehrling geht es für mich jeden Tag darum, Stahl so zu verbinden, dass daraus richtig robuste Konstruktionen entstehen“, sagt Björn Schinagl, der sich bei der Maschinenfabrik Liezen und Gießerei in Ausbildung befindet. „Am Ende eines Tages sehe ich meine Arbeit und was ich dazugelernt habe, denn ich weiß, dass jede Naht absolut halten muss. Ich lerne den Beruf von der Pike auf – vom Handschweißen bis zum Bedienen großer Schweißroboteranlagen. Die Projekte und Produkte sind spannend: Teile für Hochgeschwindigkeitszüge oder moderne Güterwagensysteme zum Beispiel.“

  • „Ich mache das für mich, egal, was die anderen sagen“

    „Ich mache das für mich, egal, was die anderen sagen“

    Während der Pandemie lud Gini Lampl unter dem Namen Billie Steirisch Comedy in breitem steirischen Dialekt auf TikTok hoch. Sie dachte, das sähen nur einige wenige. Mittlerweile kann sie davon leben.

    GINI LAMPL hat Musical studiert und ist neben ihrem Social-Media-Content als Sängerin und Schauspielerin tätig. Große Bekanntheit erlangte sie durch englische Songs, die sie ins Steirische umtextete; legendär sind ihre „Tierdokus auf Steirisch“. Auf Instagram folgen ihr 50.000 Menschen. Gini Lampl schreibt auch eigene Songs. „Ferdl“ war ihr erster Hit, ihren „Steirische Brauch“ hat sie als Rap angelegt. Die Steirerin lebt heute in Wien.

    Hättest du dir jemals gedacht, dass du mit Lustigsein auf Social Media einmal Geld verdienen wirst?

    Billie Steirisch: Ich bin ja ausgebildete Sängerin und Schauspielerin, mein Wunsch und mein Ziel waren natürlich schon, damit einmal Geld zu verdienen. Aber dass es über Online oder Social Media passiert, hätte ich nicht erwartet.

    Wie kam es zu Billie Steirisch?

    Während der Pandemie konnten wir Künstler nicht auf die Bühnen, alles war abgesagt. Meinen kreativen Output wollte ich trotzdem raushauen und habe das über TikTok gemacht, weil ich dachte, da ist eh keiner, das sieht niemand. Das waren anfangs Comedy-Sketches und englische Songs, die ich auf Dialekt umgetextet habe. Ich dachte anfangs wirklich, ich mache das nur für mich. Dann sind die ersten Videos viral gegangen und ich merkte, dass da doch viele Leute unterwegs sind. Auf einmal hatte ich 100.000 Views, dann 300.000. So bin ich auf den Gedanken gekommen, dass man da vielleicht mehr machen könnte.

    Hattest du nie Scheu davor, etwas zu sagen oder zu tun, wofür du einen Shitstorm ernten könntest? Oder sagst du: Was authentisch ist, soll raus?

    Im Großen und Ganzen will ich immer authentisch sein, wie ich eben bin. Es stört mich auch nicht, anzuecken oder zu provozieren, das ist Teil meiner Persönlichkeit. Dass ich aufpassen muss, was ich poste, weil das ja doch mehr als hundert Leute sehen, ist mir erst im Laufe der Zeit bewusst geworden. Als die ersten Firmen angefragt haben, ob ich für sie ein Werbegesicht sein will, dachte ich schon: Oh Gott, das ist jetzt nicht nur mehr Spaß.

    Wie ist es dir mit der Vorstellung gegangen, dass unter deinen Viewern auch Menschen sein könnten, die es nicht immer gut mit dir und der Welt meinen?

    Diese Vorstellung war in der Tat etwas gruselig, wenn ich bis heute auch wenig Hasskommentare bekommen habe. Aber natürlich, die ersten negativen Meldungen haben mich getroffen, es gibt dir schon einen kleinen Stich ins Herz. Aber wenn man so viel Output hat – ich habe damals ja fast täglich etwas gepostet – muss man sich daran gewöhnen, es muss einem wurscht werden.

    Wovon kannst du besser leben: von Billie Steirisch oder von Gini Lampl?

    Meine Cash Cow ist eindeutig Billie, aus der stammt der größte Teil des Einkommens. Social Media ist definitiv lukrativer als etwa eine Anstellung in einem Theater. Natürlich ist es auch instabil. Da hast du einmal einen Hype und bist ein halbes Jahr voll angesagt, dann überlegt es sich der Algorithmus anders und deine Reichweite bricht ein. Deshalb investiere ich auch in meine Musik, die ist dann doch langlebiger und beständiger. Ich investiere in Produkte und darin, mich als Person zu branden, um nicht zu sehr von Social Media abhängig zu sein. Man hat auch Lebensphasen oder ist mit Kooperationen beschäftigt, wo man nicht immer Zeit zum Contentproduzieren hat.

    Influencer oder YouTuber werden zu wollen, ist ja der Traum vieler Jugendlicher. Wie lange hat es bei dir gedauert, bis du festgestellt hast: Jetzt hat mich eine größere Gruppe entdeckt?

    Auf Social Media geht das recht schnell, wenn einmal der Inhalt funktioniert. Es kann auch sein, dass man jahrelang unter der Oberfläche dahindüm- pelt. Ich habe einen Musikerkollegen, der postete zwei Jahre ohne rechten Erfolg, dann auf einmal ging es richtig los. Man muss extreme Ausdauer haben, es ist ein bisserl wie Lottospielen. Natürlich ist es erfolgversprechender, wenn man dabei einen Plan hat, wenn man weiß, was man will, und man professionell in dem ist, was man tut. Aber ob dich der Algorithmus auswählt oder nicht, ist schon Glückssache. Und dann gibt es Inhalte, die länger brauchen, bis sie in die richtige Bubble kommen. Comedy beispielsweise erreicht Leute schneller als Videos, die zeigen, wie man irgendwelche Kerzen herstellt.

    Welche Gefühle haben dich am Beginn dieser Reise begleitet?

    Nach dem ersten Hype stellte ich fest, dass plötzlich nicht mehr alles viral ging wie zu Beginn. Dazu kommt, dass man auch süchtig nach dieser Anerkennung wird, nach den Likes, den Klicks. Da fragt man sich schon, warum man es tut. Ich für mich kam zum Schluss: Mir taugt das, und ich mache es für mich, egal, wie die anderen das sehen. Alles Weitere hat sich von selbst ergeben. Ab dem Moment dachte ich auch nicht mehr daran, ob es funktionieren könnte.

    Was ist für dich Erfolg im Leben?

    Erfolg ist für mich, wenn man zufrieden und glücklich ist. Das hat jetzt gar nichts mit Reichsein zu tun. Wenn ich als Friseurin arbeite oder als Lehrerin, ich in meinem Job glücklich bin und er mich erfüllt, bin ich nach meinem Geschmack ein erfolgreicher Mensch. Der vielleicht sogar glücklicher ist als ein Topstar, den jeder kennt. Weil man muss schon sagen: Viele tun das, was sie tun, für Anerkennung und Ruhm, nicht so sehr für sich selbst und weil sie das von Herzen tun wollen.

    Lehrlinge sind in der Regel erst 15, wenn sie sich für einen Beruf entscheiden müssen. Wenn du zurückdenkst, welchen Rat in Bezug auf deine Zukunft hättest du in diesem Alter gern gehört?

    Dass es bei der Entscheidung um die Frage gehen sollte, was man wirklich gern macht und nicht, was das meiste Geld bringt. Und dass die Erwachsenen einen bestärken sollten in dem, was man tun will. Es gibt ja auch unkonventionelle und coole Lehrberufe, statt zu sagen: „Da gibt es aber nicht so viele Stellen“ oder „Bei uns in der Nähe bekommst du da aber keinen Job“ könnten Eltern das Kind einfach ermutigen, den Beruf zu ergreifen, egal wie der Arbeitsmarkt aussieht. Zu mir haben auch viele Leute gesagt, ich würde mit dem, was ich tun will, nie Geld verdienen. Doch mein Traum ist wahr geworden, weil ich halt weitergemacht habe und meinen Weg weitergegangen bin, und das ganz ohne Kontakte oder Beziehungen. Wenn jemand etwas wirklich will und einen starken Willen hat, wird er oder sie es auch schaffen.

    Was konkret würdest du Eltern raten?

    Ich würde ihnen raten, ihr Kind zu unterstützen, sofern der Beruf nicht in die Kriminalität führt (lacht). Manche Eltern sollten ihr Ego zurückstellen, vor allem wenn sie wollen, dass ihre Kinder das tun, was sie selbst gern gemacht hätten, und das sie nun über die Kinder ausleben können. Das geht selten gut. Außer das Kind will es.

    Wie war das bei dir?

    Mein Papa wollte immer Musiker werden. Und ich wollte von klein auf Schauspielerin und Sängerin werden. Das hat sich halt super getroffen, meine Eltern waren total offen, was meinen Berufswunsch anbelangt. Sie haben mich unterstützt, ohne Druck zu machen. Natürlich kann man auch Grenzen setzen und die finanzielle Unterstützung an einen gewissen Erfolg knüpfen, damit das Kind auch wirklich schaut, dass es etwas weiterbringt.

    Hast du dir schon einmal überlegt, wie es gewesen wäre, hätten dich deine Eltern nicht unterstützt?

    Ich denke, es wäre viel härter gewesen. Und die Bindung zu meinen Eltern wäre nicht so stark, wie sie ist. Ich weiß nicht, ob ich das alles durchgezogen hätte. Ein Vollzeitstudium und daneben noch 30 Stunden arbeiten zu müssen, weil es an finanzieller Unterstützung fehlt und man für die Miete aufkommen muss, ist schon hart. Ich weiß nicht, ob ich ohne die Unterstützung meiner Eltern so mutig gewesen wäre, weiterzugehen oder durchzuhalten.

    „Viele tun das, was sie tun, für Anerkennung und Ruhm, nicht so sehr für sich selbst und weil sie das von Herzen tun wollen.“

    Es gibt ja den Spruch: „Tu, was dir Spaß macht.“ Wir wissen aber, dass Eltern oder die Peergroup mit ihrer Meinung wichtig sind und das „einfach tun“ alles andere als einfach ist. Wie würdest du den Spruch für junge Menschen auf dem Sprung in den ersten Job umtexten?

    Vielleicht: Wähle etwas aus, bei dem du dir nicht vorstellen kannst, ohne es leben zu wollen. Bei mir war das eben die Musik, die ich extrem liebe. Es gibt ja auch genügend Menschen, die sich handwerklich betätigen wollen. Jeder hat etwas, das er sehr gern tut.

    Hast du einen Karriereplan oder überlässt du das, was kommt, dem Schicksal?

    Ich habe schon ein Ziel beziehungsweise einen Plan, darin sind auch die einzelnen Schritte definiert. Ohne die kommt man nicht wirklich zum Ziel. Mein Ziel wäre schon, eine große Tour in vollen Häusern zu spielen. Ich würde mir wünschen, dass man meine Musik gern hören und die Live-Shows sehen will, und dass dies einmal einen großen Teil meines Einkommens ausmacht. Schön wäre auch die Vorstellung, dass ich Menschen mit meiner Musik durch ihr Leben begleiten und ihnen kleine Erinnerungen mitgeben kann. Dass sie etwa an Billie Steirisch denken, weil sie einen Song auf der Matura-Reise gehört haben, dabei zum ersten Mal geschmust oder Liebeskummer hatten.
    Und sonst arbeiten wir gerade mit Hochdruck an meiner LP, wir arbeiten mit diversen Unternehmen zusammen. Wir lassen aber vieles auch auf uns zukommen.

    Hattest du je einen Plan B in deinem Leben?

    Ich bin ja in dem, was ich mache, so vielseitig interessiert – das sind Comedy, Musik, im letzten Aussee-Krimi spielte ich eine große Rolle. Schon als Kind hatte ich eine Berufsranking-Liste. Da haben sich auf Platz eins und zwei Schauspiel und Gesang abgewechselt, Moderatorin war Top drei. Die ersten beiden Sachen habe ich studiert, bei Krone Hit habe ich zwei Jahre den Verkehr angesagt. Platz vier war Stewardess, das wäre auch eine Option gewesen, und auf Platz fünf lag die Stripperin.

    Warum das?

    Ich bin mit Cardi B. und anderen Rapperinnen groß geworden, und viele davon arbeiteten vorher als Stripperin.