{"id":428,"date":"2024-12-16T22:22:13","date_gmt":"2024-12-16T21:22:13","guid":{"rendered":"https:\/\/kaifittr.uber.space\/?p=428"},"modified":"2024-12-16T22:22:13","modified_gmt":"2024-12-16T21:22:13","slug":"eltern-bremst-eure-aengste-ein","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kaifittr.uber.space\/?p=428","title":{"rendered":"Eltern, bremst eure \u00c4ngste ein!"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-manrope-font-family has-small-font-size\"><em>Beginnt ein Kleinkind zu gehen, freuen sich alle. Geht es um die Jobwahl des Kindes, schreiben viele \u00c4ngste mit, sagt Ali Mahlodji. Bei ihm suchen zu diesem Thema Jugendliche und Eltern Rat. Oft empfiehlt er mehr Entspanntheit \u2013 und zwar den Eltern.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-manrope-font-family has-small-font-size\"><strong><em>Herr Mahlodji, was hat Ihnen Ihre Mutter f\u00fcr Ihr Leben mitgegeben?<br><\/em><\/strong><strong>ALI MAHLODJI <\/strong>\u2022 Sehr viel, auch wenn ich fr\u00fcher immer gedacht habe, meine Mutter sei beinhart und die M\u00fctter anderer Kinder seien viel netter. Heute kann ich sagen, dass meine Mutter liebevoll gehandelt hat. Sie hat mich gelehrt, dass jede Entscheidung im Leben Konsequenzen hat. Damals, als ich ihr mitgeteilt habe, ich werde die Schule hinschmei\u00dfen \u2013 kurz vor der Matura -, drohte sie mir, mich aus der Wohnung zu werfen. Sie meinte, das mit dem Schulabbruch sei zwar meine Entscheidung, doch ich sei nun fast vollj\u00e4hrig und m\u00fcsse dann auch mit den Konsequenzen leben. Sie werde nicht ewig da sein und wenn ich nicht jetzt lerne, zu meinen Entscheidungen zu stehen, werde ich das nie tun. Das hat mich gerettet.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-manrope-font-family has-small-font-size\"><strong><em>Was war Ihre Konsequenz aus diesem Gespr\u00e4ch? Sind Sie weiter zur Schule gegangen?<br><\/em><\/strong><strong>A M <\/strong>\u2022 Nein, aber ich war gezwungen, zu sehen, wie viel ich dann doch kann. Damals hatte ich kein Selbstbewusst- sein und dachte, ich sei der gr\u00f6\u00dfte Idiot. Das, was ich konnte, kam erst dadurch zutage, weil meine Mutter mich ins kalte Wasser geworfen hat. Im Nachhinein k\u00f6nnte man sagen, meine Mama war tough. Doch in Wahrheit hat sie sich nicht mehr zu helfen gewusst. Sie hat diese Strenge aber kon- sequent durchgezogen! Und sie hat mir noch eine wichtige Sache mitgegeben, sie meinte: \u201eAli, du kannst machen, was du willst. Auch wir Erwachsene wissen nicht, wie die Welt in zehn Jahren aussieht.\u201c Sie hat mich also mit ihren \u00c4ngsten, was meine Zukunft betrifft, verschont.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-manrope-font-family has-small-font-size\"><strong><em>Meinen Sie damit, dass Eltern ihren Kindern ruhig mehr zutrauen k\u00f6nnten?<br><\/em><\/strong><strong>A M <\/strong>\u2022 Zu mir kommen oft Eltern, die mich um Rat fragen, wenn es um die Wahl des richtigen Berufes geht. Meine Gegenfrage lautet: \u201eWarum sind Sie bei mir und nicht Ihr Kind?\u201c Ich kenne El- tern, die gehen mit ihrem 22-j\u00e4hrigen Kind mit zur Uni, um das passende Studium zu finden! Mein Rat an Eltern ist der, ihren Kindern Entscheidungen mit einer Selbstverst\u00e4ndlichkeit zuzu- trauen, wie sie ihnen auch das Gehen lernen zugetraut haben. Und da tun sich viele Eltern schwer.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-manrope-font-family has-small-font-size\"><strong><em>Warum reagieren viele Eltern, wie sie reagieren?<br><\/em><\/strong><strong>A M <\/strong>\u2022 Denken wir doch an unsere eigene Schulzeit zur\u00fcck, was wir da alles geh\u00f6rt haben, etwa, dass die Matura das Wichtigste ist und man damit<br>auf das Leben vorbereitet ist. Wir alle kennen den Druck und die Erwartungen, die wir in der Schule hatten. Und wenn das eigene Kind in dieses Alter kommt, kommen auch die eigenen Erinnerungen an die Schulzeit zur\u00fcck. Dann beginnen die Eltern, ihre Kinder vor diesen Erfahrungen bewahren zu wollen. Das ist aber nicht m\u00f6glich. Die eigenen \u00c4ngste werden also auf die Kinder weitergegeben. F\u00fcr die Eltern ist es wichtig, das zu realisieren. Man m\u00fcsste die Frage nach dem passenden Job andersherum stellen: Statt f\u00fcr das Kind mitzuentscheiden, was es in zehn Jahren beruflich machen soll, sollte man Eltern bitten, sich in die Rolle eines 17-J\u00e4hrigen zu versetzen und zu fragen, was man selbst gern tun w\u00fcrde. Fakt ist: Niemand wei\u00df, welche Jobs es in zehn Jahren geben wird \u2013 aber ein Kind sollte das wissen!?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-manrope-font-family has-small-font-size\"><strong><em>M\u00fctter sind ja oft die stillen Mache- rinnen im Hintergrund. Kindererziehung, die ganze Care-Arbeit hat ja in unserer Gesellschaft wenig Stellen- wert. Was geben M\u00fctter ihren Kindern mit \u2013 oft ohne sich dar\u00fcber im Klaren zu sein?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-manrope-font-family has-small-font-size\"><strong>A M <\/strong>\u2022 Meine Mutter war Alleinerziehe- rin, sie hat uns viel Verantwortungsbewusstsein mitgegeben und die Freiheit, zu denken, dass alles m\u00f6glich ist. Doch es kommt auf die Familienkonstellation an, darauf, wieviel Selbstwert die Erziehungspersonen haben und neben- bei: Es gibt heute genauso M\u00e4nner, die Kinderw\u00e4gen schieben und sich in der Erziehung stark machen. Ich denke, im klassischen Familiengef\u00fcge bekommt man als Kind von der Mutter mit, dass sie immer funktioniert, dass auf sie einfach Verlass ist. Auf der anderen Seite ist dieses Bild, dass sich die Frau um alles k\u00fcmmert, problematisch, weil es dazu beitr\u00e4gt, Rollenklischees zu festigen, etwa, dass Frauen im Sozialen stark sind, aber weniger in technischen Belangen. Doch diese Rollenbilder werden von der Familie gelebt und weitergetragen. Damit werden die F\u00e4higkeiten von Frauen untersch\u00e4tzt. Ein Beispiel: Die Corona-Krise hat gezeigt, dass jene L\u00e4nder, die von Frauen gef\u00fchrt wurden, besser durch die Krise kamen. Der neue US-Pr\u00e4sident Biden setzt f\u00fcr hochkritische Themen Frauen ein. Im Harvard Business Review for Leadership ist zu lesen, dass Frauen in manchen Themen mit weniger Ego hineingehen und mehr miteinander agieren, also das einsetzen, was sie oft zuhause gelernt haben. Bei solchen traditionellen Rollenzuschreibungen muss man jedoch aufpassen und sie vor allem nicht verk\u00fcrzen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-manrope-font-family has-small-font-size\"><strong><em>Was sind heute so die Schwierigkeiten im Verh\u00e4ltnis Kind \u2013 Eltern in der Praxis?<br><\/em><\/strong><strong>A M <\/strong>\u2022 Homeschooling hat gezeigt, dass manche Eltern kein Verst\u00e4ndnis daf\u00fcr haben, was es bedeutet, ein Sch\u00fcler oder eine Sch\u00fclerin zu sein. Sie wur- den zu Arbeiten im Haus eingeteilt, die Eltern sahen aber nicht, dass Sch\u00fcler- bzw. Sch\u00fclerinsein auch ein Job ist! Immerhin m\u00fcssen sich die Kinder und Jugendlichen nun selbst um ihre schulischen Angelegenheiten k\u00fcmmern. Ihre Herausforderungen damit werden und wurden oft nicht ernst genommen. Leider haben viele Eltern nicht gelernt, ihr Kind zu begleiten und die Neugier- de am Leben zu erhalten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-manrope-font-family has-small-font-size\"><strong><em>Das betrifft vermutlich auch die Berufsausbildung?<br><\/em><\/strong><strong>A M <\/strong>\u2022 Ja. Was ist denn falsch daran, dass ein Kind Youtuber werden will? Wissen Eltern \u00fcberhaupt, was ihre Kinder k\u00f6nnen? Das frage ich Eltern oft, die klassische Antwort ist: \u201eIch will nicht, dass mein Kind entt\u00e4uscht ist\u201c. Wenn Eltern nicht mehr zulassen, dass ihre Kinder entt\u00e4uscht sein k\u00f6nnten und ihnen alle H\u00fcrden aus dem Weg r\u00e4umen, ruinieren sie mehr, als sie gutmachen. Klar, sie tun das, weil<br>sie selbst Angst haben. Doch da sind wir wieder am Anfang: Kinder und Jugendliche m\u00fcssen mit Herausforderungen und H\u00fcrden umgehen lernen und sie m\u00fcssen wissen, was es hei\u00dft, geduldig zu sein. Der in diesem Zusammenhang so gern geh\u00f6rte Spruch, dem Kind solle es einmal besser gehen als einem selbst, ist ein Glaubenssatz, der in der Nachkriegszeit erfunden wurde. Der hat heute keine G\u00fcltigkeit mehr.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" width=\"683\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/kaifittr.uber.space\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/DJMC8071-683x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-430\" srcset=\"https:\/\/kaifittr.uber.space\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/DJMC8071-683x1024.jpg 683w, https:\/\/kaifittr.uber.space\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/DJMC8071-200x300.jpg 200w, https:\/\/kaifittr.uber.space\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/DJMC8071-768x1152.jpg 768w, https:\/\/kaifittr.uber.space\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/DJMC8071-1024x1536.jpg 1024w, https:\/\/kaifittr.uber.space\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/DJMC8071-1365x2048.jpg 1365w, https:\/\/kaifittr.uber.space\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/DJMC8071-scaled.jpg 1707w\" sizes=\"(max-width: 683px) 100vw, 683px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p><strong><em>Der so gern geh\u00f6rte Spruch, dem Kind soll es einmal besser gehen als einem selbst, ist aus der Nachkriegszeit und hat heute keine G\u00fcltigkeit mehr.<\/em><\/strong><\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Beginnt ein Kleinkind zu gehen, freuen sich alle. 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