{"id":704,"date":"2025-02-03T13:21:30","date_gmt":"2025-02-03T12:21:30","guid":{"rendered":"https:\/\/zukunftmeistern.at\/?p=704"},"modified":"2025-02-03T13:21:30","modified_gmt":"2025-02-03T12:21:30","slug":"nicht-genuegend","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kaifittr.uber.space\/?p=704","title":{"rendered":"Nicht gen\u00fcgend?"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-manrope-font-family has-medium-font-size\"><strong>Noten beherrschen die Schulzeit. Sie sagen aber wenig dar\u00fcber, was Sch\u00fcler wirklich wissen. Die Notengebung wird von vielen Faktoren beeinflusst. Bildungsforscher Ferdinand Eder hinterfragt das Bewertungssystem kritisch.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-media-text is-stacked-on-mobile\"><figure class=\"wp-block-media-text__media\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/zukunftmeistern.at\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/FE1-Kopie-150x150.jpeg\" alt=\"\" class=\"wp-image-707 size-thumbnail\"\/><\/figure><div class=\"wp-block-media-text__content\">\n<p class=\"has-fira-code-font-family has-small-font-size\"><em><strong>Bildungsforscher Ferdinand Eder<\/strong> gibt<\/em> <em>zu bedenken, dass<br>die Notengebung von vielem beeinflusst wird \u2013 pers\u00f6nlichen Faktoren der Lehrpersonen, Tagesverfassung, sozialen Einfl\u00fcssen, Klassen- und Schulniveau.<\/em><\/p>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p class=\"is-style-text-subtitle has-manrope-font-family has-medium-font-size is-style-text-subtitle--1\"><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-manrope-font-family has-medium-font-size\">MIT \u201eSEHR GUT\u201c SIND LEISTUNGEN zu beurteilen, mit denen der Sch\u00fcler die Anforderungen in weit \u00fcber das Wesentliche hinausgehendem Ausma\u00df erf\u00fcllt und zus\u00e4tzlich Eigenst\u00e4ndigkeit bei der Bearbeitung der Aufgaben gezeigt hat, bei einem \u201eGut\u201c sind sie \u00fcber das Wesentliche hinaus, bei einem \u201eBefriedigend\u201c zur G\u00e4nze erf\u00fcllt. So steht es in der Leistungsbeurteilungsverordnung geschrieben. Allein: Mit einem \u201eBefriedigend\u201c in der Mittelschule, Leistungsniveau Standard, sind so gut wie keine Berechtigungen mehr verbunden, ein \u201eBefriedigend\u201c in der AHS \u00f6ffnet den Zugang zu allen anschlie\u00dfenden Schulformen, gibt Bildungsforscher Ferdinand Eder zu bedenken.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-manrope-font-family has-medium-font-size\"><strong>Was kann eine Note \u00fcberhaupt \u00fcber die Leistung aussagen?<\/strong><br><strong>FERDINAND EDER:<\/strong>&nbsp;In der Praxis sind Noten nicht Beschreibungen, sondern Bewertungen von Leistungen. Das sagen ja schon Bezeichnungen wie \u201ebefriedigend\u201c oder \u201egut\u201c. In diesen Bewertungen steckt in der Regel ein Teil Bezug zu vorgestellten Zielen, zum gr\u00f6\u00dferen Teil ein sozialer Vergleich: In einer Schulklasse ist ein Sch\u00fcler mit \u201eGut\u201c in der Regel kompetenter in Bezug auf die angestrebten Ziele als ein Sch\u00fcler mit \u201eBefriedigend\u201c. Noten sagen daher wenig \u00fcber die tats\u00e4chliche Leistung oder das tats\u00e4chliche K\u00f6nnen aus, aber viel \u00fcber die Leistungsposition eines Kindes im Kontext seiner Klasse. Noten sind ungeeignet, Lernfortschritte sichtbar zu machen! Die angef\u00fchrten Einschr\u00e4nkungen haben zum Beispiel zur Folge, dass aufnehmende Betriebe den Schulnoten nicht vertrauen, sondern eigene Tests durchf\u00fchren, um sich ein Bild von den Kompetenzen der Bewerber zu machen.<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p class=\"has-fira-code-font-family has-small-font-size\"><em>F\u00fcr die Sch\u00fcler enthalten schlechte Beurteilungen praktisch keine aufbauenden Elemente \u2013 sie lernen daraus lediglich, dass sie schlechter eingestuft werden als ihre Mitsch\u00fcler, und dass sie insgesamt in die Kategorie \u201eschlechte Sch\u00fcler\u201c fallen. Oft f\u00fchrt dies zu Mutlosigkeit und Resignat<\/em>ion.<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p class=\"has-manrope-font-family has-medium-font-size\"><strong>Wie sind die einzelnen Noten in der Schule \u00fcberhaupt definiert?<\/strong><br><strong>F E:<\/strong>&nbsp;Die Noten sind im Schulunterrichtsgesetz und in der Leistungsbeurteilungsverordnung definiert und damit verfassungsgesetzlich festgelegt. \u201eBefriedigend\u201c soll erhalten, wer \u201edas Wesentliche des Unterrichts zur G\u00e4nze beherrscht\u201c. Die Noten \u201eGut\u201c und \u201eSehr gut\u201c zielen darauf ab, dass bei der Erbringung von Leistungen Eigenst\u00e4ndigkeit und eine \u201eselbstst\u00e4ndige Anwendung des Wissens und K\u00f6nnens auf neuartige Aufgaben\u201c erfolgt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-manrope-font-family has-medium-font-size\"><strong>Welche Einflussfaktoren kommen bei der Notengebung zum Tragen?<\/strong><br><strong>F E:<\/strong>&nbsp;Dazu gibt es regalweise Forschungsliteratur, die besagt, dass die Notengebung beziehungsweise die erreichten Noten sehr von pers\u00f6nlichen Faktoren der Lehrpersonen, von der Tagesverfassung, von sozialen Einfl\u00fcssen, vom Niveau der umgebenden Schulklasse, vom Niveau der betreffenden Schule und so weiter abh\u00e4ngen. Das Hauptproblem liegt darin, dass in \u00d6sterreich die Noten von jenen Lehrpersonen vergeben werden, die vorher den Unterricht erteilt haben, und damit grosso modo doch eher befangen sind.<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p class=\"has-fira-code-font-family has-small-font-size\"><em>Leider sind Schulnoten \u00fcberhaupt nicht vergleichbar, wenn es um eine Aussage \u00fcber K\u00f6nnen oder Leistung geht. Sie sagen aber in der Regel relativ zuverl\u00e4ssig etwas \u00fcber die Leistungsposition der betreffenden Sch\u00fcler in ihrer Klasse. Zwischen einzelnen Klassen der gleichen Schule k\u00f6nnen extreme Unterschiede bestehen, ebenso zwischen Schulen des gleichen Typs.<\/em><\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p class=\"has-manrope-font-family has-medium-font-size\"><strong>Inwieweit sind Schulnoten miteinander vergleichbar?<\/strong><br><strong>F E:<\/strong>&nbsp;Leider \u00fcberhaupt nicht, wenn es um eine Aussage \u00fcber K\u00f6nnen oder Leistung geht. Sie sagen aber in der Regel relativ zuverl\u00e4ssig etwas \u00fcber die Leistungsposition der betreffenden Sch\u00fcler in ihrer Klasse. Zwischen einzelnen Klassen der gleichen Schule k\u00f6nnen extreme Unterschiede bestehen, ebenso zwischen Schulen des gleichen Typs. Aber nat\u00fcrlich bestehen zwischen Klassen und Schulen oft auch ganz erhebliche Unterschiede in den erreichten Leistungen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-manrope-font-family has-medium-font-size\"><strong>Haben Schulnoten das Potenzial, Orientierungshilfe und Ansporn zu sein?<\/strong><br><strong>F E:<\/strong>&nbsp;Hier gibt es gegenl\u00e4ufige Auffassungen und Erfahrungen. Manche Lehrpersonen vergeben schlechte Noten, damit die Sch\u00fcler mehr lernen, andere tun es, weil die Sch\u00fcler wenig k\u00f6nnen. F\u00fcr die Sch\u00fcler enthalten schlechte Beurteilungen praktisch keine aufbauenden Elemente \u2013 sie lernen daraus lediglich, dass sie schlechter eingestuft werden als ihre Mitsch\u00fcler und dass sie insgesamt in die Kategorie \u201eschlechte Sch\u00fcler\u201c fallen. Oft f\u00fchrt dies zu Mutlosigkeit und Resignation. Ausnahmen kommen vor bei hochmotivierten Sch\u00fclern, die durch ein eher einmaliges Versagen angespornt werden, mehr zu lernen. Entwicklungspsychologisch zeigt sich, dass die jungen Menschen zunehmend jene Schulf\u00e4cher hassen, in denen sie schlechte Noten haben, und alles versuchen, bis hin zur Berufswahl, diesen F\u00e4chern zu entgehen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-manrope-font-family has-medium-font-size\"><strong>Worin liegen f\u00fcr Sch\u00fcler, aber auch Lehrer Herausforderungen dieser Bewertung?<\/strong><br><strong>F E:<\/strong>&nbsp;Der verstorbene Prof. Rupert Vierlinger, Zeit seines Lebens ein profunder Gegner der Ziffernnoten, hat es ungef\u00e4hr so formuliert: \u201eWenn der Sch\u00fcler nach der Note schielt, ist der Prozess des Lernens bereits gest\u00f6rt.\u201c Der Wunsch nach guter Bewertung oder auch die Angst vor schlechter Bewertung f\u00fchrt dazu, dass Lernen nicht als Auseinandersetzung mit einem Ziel oder einer Aufgabe verstanden wird, sondern als strategischer Prozess zur Erreichung einer guten Bewertung, bei dem das Verstehen oder das sachliche K\u00f6nnen m\u00f6glicherweise auf der Strecke bleibt. Einfache Strategien dazu sind blo\u00dfes Auswendiglernen, Abschreiben, Schwindeln und sonstige Formen der T\u00e4uschung bis hin zur anwaltlichen Bedrohung von Lehrpersonen seitens der Eltern, ihrem Kind die notwendige gute Note zu geben. F\u00fcr die Lehrpersonen scheint mir die gro\u00dfe Herausforderung, das Disziplinproblem \u2013 in dem Verst\u00e4ndnis, bei den Sch\u00fclern eine Hinwendung zur Sache zu erreichen \u2013 ohne explizite oder implizite Drohung mit schlechten Noten oder Nachpr\u00fcfungen zu l\u00f6sen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-manrope-font-family has-medium-font-size\"><strong>Welche alternativen M\u00f6glichkeiten gibt es zur Beurteilung in dieser Form?<\/strong><br><strong>F E:<\/strong>&nbsp;Es gibt viele Formen von R\u00fcckmeldung in der Schule, in denen die unmittelbare Leistung der Kinder und Jugendlichen sichtbar wird und nicht eine gefilterte Bewertung. Dazu geh\u00f6ren die direkte Leistungsvorlage, Portfolios, Lernziellisten mit Vermerken, was beherrscht wird, und vieles mehr. Realistischerweise muss man festhalten, dass so viele Noten-Beurteilungen, wie sie derzeit erteilt werden, ohnehin nicht notwendig sind, weil sie au\u00dfer dem Selbstzweck zu nichts dienlich sind, Beispiel Semesternoten. Als Kontrast w\u00e4re hier eine Analyse denkbar, wie viele Beurteilungen Erwachsene in ihrer beruflichen T\u00e4tigkeit laufend erhalten \u2013 von Lehrpersonen ganz zu schweigen, die nach einer Anfangsphase praktisch beurteilungsfrei durch das Berufsleben gehen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-manrope-font-family has-medium-font-size\"><strong>Nutzen andere L\u00e4nder andere Systeme?<\/strong><br><strong>F E:<\/strong>&nbsp;Die Beurteilung mit Ziffernnoten dominiert in den deutschsprachigen Systemen. Zahlreiche andere L\u00e4nder haben \u2013 abgesehen von viel l\u00e4ngeren notenfreien Zeitr\u00e4umen, siehe Italien \u2013 zum Teil Systeme, die explizit die Beherrschung von Zielen wiedergeben und h\u00e4ufig mit Buchstaben abgek\u00fcrzt werden. Ein plakatives und in meinen Augen sehr sinnvolles System ist der \u201eGemeinsame Europ\u00e4ische Referenzrahmen f\u00fcr Sprachen\u201c, wo durch klar definierte Anforderungen das Sprachniveau auf verschiedenen Stufen definiert ist und durch darauf abgestimmte Pr\u00fcfungen erfasst werden kann. Vergleichbares w\u00e4re f\u00fcr viele Schulf\u00e4cher denkbar und w\u00fcrde eine f\u00fcr alle klare Aussage \u00fcber das jeweilige Kompetenzniveau von Sch\u00fclern erlauben.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/zukunftmeistern.at\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/Kopie-von-Auf-dem-Weg-zur-Druckabgabe-Instagram-Post-1024x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-711\"\/><\/figure>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Noten beherrschen die Schulzeit. Sie sagen aber wenig dar\u00fcber, was Sch\u00fcler wirklich wissen. Die Notengebung wird von vielen Faktoren beeinflusst. Bildungsforscher Ferdinand Eder hinterfragt das Bewertungssystem kritisch. Bildungsforscher Ferdinand Eder gibt zu bedenken, dassdie Notengebung von vielem beeinflusst wird \u2013 pers\u00f6nlichen Faktoren der Lehrpersonen, Tagesverfassung, sozialen Einfl\u00fcssen, Klassen- und Schulniveau. MIT \u201eSEHR GUT\u201c SIND LEISTUNGEN [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":708,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[2],"tags":[],"class_list":["post-704","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-tipps"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/kaifittr.uber.space\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/704","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/kaifittr.uber.space\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/kaifittr.uber.space\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kaifittr.uber.space\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kaifittr.uber.space\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=704"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/kaifittr.uber.space\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/704\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kaifittr.uber.space\/index.php?rest_route=\/"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/kaifittr.uber.space\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=704"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/kaifittr.uber.space\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=704"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/kaifittr.uber.space\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=704"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}